Joch am Kochelsee, Kochel Nr. 44 „Bauer im Joch“
Die Gründung des Jocherhofes war lange vor der Jahrtausendwende. Nach dem Schenkungsbrief des Kaisers Henricus III anno 1048 wurde der Jocher Untertan des Klosters Benediktbeuern. Der Hof bestand damals aus einem Gehöft mit Äckern, Wiesen und Waldungen von etwa 2000 Tagwerk. Seine Grenze ging vom Moar Steinbruch hinauf zum Graseck, zur Jocher Alpe, hinüber zur Schlehdorfer Alpe am Herzogstand und wieder herunter nur „Nasn“ am Kochelsee, also Ausmaße für unsere Gegend, die man kaum fassen kann.
Über die früheren Hofbesitzer könnte eine Archivnachforschung Aufschluss geben. Erst ab Mitte des 15. Jahrhunderts kennen wir die Besitzer des Hofes mit ihren Familienmitgliedern.
-
1473
Heinz Kirchmayr (gest. 1511) in Joch) von Jachenau-Mühle (Hanslbauer), nennt sich dann Jocher, Müller und Bauer in Joch wird vom Abt des Klosters Benediktbeuern belehnt. 1486: Er ist Zeuge beim Stiftsbrief des Klosters Benediktbeuern für Conrad Sanctjohanser von Sankt Johannisrain.
Er heiratet 1461 Margareta (gest. 1522 in Joch), Jochertochter.
-
1490
Hainz Kirchmair der Jocher teilt seinen Hof unter die zwei Söhne: Georg erhält den „Bauer in Joch“ Nr. 44, Christoph den „Müller in Joch Nr. 43. Christoph bekam den Wald am Jochberg, Georg den am Herzogstand. Die Wiesen und Äcker wurden zunächst gemeinsam genutzt.
-
1506
Jörg (Georg) Jocher (geb. in Joch gest. 1533 in Joch) übernimmt vom Vater, Müller und Bauer in Joch.
Er heiratet 1506 Barbara Lofer (geb. in Ohlstadt gest. um 1522 in Joch). Sie hat 50 fl Heiratsgut.
1522 – 1532 hatte er das Anwesen Joch 43 (Müller) gemeinsam mit der Witwe seines Bruders Christoph bewirtschaftet.
Auch sein Sohn Veit scheint die beiden Höfe eine weitere Generation zusammen bewirtschaftet haben.
-
1532
Jörg Jocher wird von den Herzögen Wilhelm und Ludwig von Bayern geadelt und erhalten einen Wappenbrief.
-
1533
Veit Jocher (geb. in Joch gest. vor 1592 in Joch) übernimmt 1533 vom Vater, Müller und Bauer in Joch. Er und Bruder Christoph Jocher in Mauterndorf konnten schreiben und hatten regelmäßigen Briefverkehr. Veit Jocher betrieb mit mäßigem Erfolg Bergbau und hatte eine Schmelzhütte. Herzog Albrecht, der schon seinen Vater geadelt hatte, gab ihm die Erlaubnis, nach Metallen zu schürfen. Am 27.6.1557 schreibt er „seinem getreuen Veith Jocher zue Joch“, dass er alsbald die Schmelzhütte, wozu er ihm und seinen Mitgewerken, darunter der Ratsherr August Rudolff von München, 100 fl gebe, aufsetzen und sich von niemand, gemeint ist der Abt von Benediktbeuern, hindern lassen solle.
Er heiratet vor 1538 Apollonia Dölle (geb. in Kochel gest. 1592 in Joch)von Kochel Nr. 25 "Wirt".
-
UM 1573
Silvester Jocher (geb. in Joch gest. 1611 in Joch) übernimmt vom Vater, Müller und Bauer in Joch.
Er heiratet 1573 Rosina Dölle (geb. in Kochel gest. 1583 in Joch) von Kochel Nr. 25 "Wirt".
In zweiter Ehe heiratet er 1583 Rosina Zwerger (geb. in Walchensee gest. 1623 in Joch) vom Walchensee, „Adambauer“ auf Zwergern Nr. 64.
-
15.6.1611
Urban Jocher (geb. in Joch U 1624 in Joch) übernimmt vom Vater, Müller und Bauer in Joch und heiratet am 15.6.1611 Maria Kohlhauf (geb. in Harmating, Pfarrei Thanning, Landkreis Wolfratshausen gest. 1660 in Joch).
-
5.6.1624
Caspar Resenberger (geb. in Kochel gest. 1632 in Joch) von Kochel Nr. 10 übernimmt am 5.6.1624 durch Heirat der Witwe Maria Jocher, geb. Kohlhauf.
-
9.9.1632
Anton Wolf (geb. in Schlehdorf gest. 1649 in Joch) von Schlehdorf Nr. 3 „Drucker“ übernimmt durch Heirat der Witwe Maria Resenberger, verwitwete Jocher, geb. Kohlhauf. Keine Kinder.
-
6.5.1649
Der Sohn aus der ersten Ehe der Mutter Matthäus Jocher (geb. um 1620 in Joch gest. 8.4.1701 in Schlehdorf) übernimmt von der Mutter und dem Stiefvater.
Er heiratet am 6.6.1649 Rosina Zwerger (geb. 4.3.1630 in Walchensee gest. 18.6.1668 in Joch) von Walchensee Nr. 62, „Hanslbauer“ auf Zwergern. Sie bekommt 350 fl Heiratsgeld und 1 Kuh.
In zweiter Ehe heiratet er am 12.11.1675 Anastasia Stierer (geb. in Schlehdorf gest. in Schlehdorf).
Nach der Hofübergabe an Sohn Georg Jocher und der 2. Heirat ist Matthäus Jocher übergesiedelt nach Schlehdorf.
-
1660
Nach dem Tode der Mutter erhält jedes Kind nochmals 60 fl Muttergut. (Briefprotokoll 14.1.1661)
-
25.6.1674
Georg Jocher (geb. um 1650 in Joch gest. vor 11.1711 in Joch) übernimmt vom Vater und heiratet am 25.6.1674 Anna Ertl (geb. 28.8.1655 in Au/Königsdorf gest. in Joch).
-
5.4.1712
Bartholomäus Jocher (geb. 21.3.1683 in Joch gest. 24.8.1745 in Joch) übernimmt vom Vater. Er war Gefreiter bei der XIII. Korporalschaft der Landesdefension.
Er heiratet am 5.4.1712 Euphrosina Hütter (geb. in Zell gest. 24.7.1742 in Joch) von Zell Nr. 2 „Zum Ill“ (1/2 Hof zum Kloster Schlehdorf), Gemeinde Großweil, Pfarrei Schlehdorf. Sie bekommt vom hofübernehmenden Bruder Peter Hitter 550 fl Heiratsgut, 1 Kuh und Ausfertigung. 1702 starben an einer ansteckenden Krankheit beide Eltern und 4 Geschwister.
-
27.11.1743
Gallus Jocher (geb. 10.10.1714 in Joch gest. 19.5.1792 in Joch) übernimmt vom Vater und heiratet am 27.11.1743 Maria Riesch (geb. 28.7.1714 in Jachenau gest. 6.7.1798 in Joch) von Jachenau Nr. 49 „Zum Luitpolder“. Sie und jedes ihrer 15 Geschwister erhielt außer einer standesgemäßen Aussteuer und 1 „Bräutkuh“ auch noch mehrere Hundert Gulden Heiratsgut.
-
15.1.1793
Matthias Jocher (geb. 13.2.1756 in Joch gest. 6.5.1812 in Joch) übernimmt den 1/3 Bauernhof vom Vater gegen 1000 fl (Kaufbrief) und heiratet am 28.1.1793 Maria Schöner (geb. 13.2.1773 in Kochel gest. 18.2.1799 in Joch) von Kochel Nr. 6 „Warmann“.
In zweiter Ehe heiratet er am 15.4.1799 Rosina Wagner (geb. 25.8.1773 in Kochel gest. 9.2.1833 in Joch) von Kochel Nr. 4 „Mesner“.
-
8.2.1813
Caspar Eibl (geb. 3.1.1779 in Schlehdorf gest. 1855 in Joch) von Schlehdorf Nr. 29 „Alber“, „Höfle“ übernimmt durch Heirat der Witwe Rosina Jocher, geb. Wagner. Keine Kinder aus dieser Ehe.
-
15.1.1838
Johann Öttl (geb. 4.5.1813 in Rain bei Penzberg gest. 4.4.1854 in Joch) übernimmt am 15.1.1838 durch Heirat der Hoferbin Anastasia Jocher (geb. 23.5.1805 in Joch gest. 13.8.1880 in Joch) und wird „Müller in Joch“.
-
24.4.1855
Johann Franz Öttl (geb. 1.1.1812 in Schlehdorf gest. 16.3.1879 in Joch) von Schlehdorf Nr. 1 „Lehrmüller“ (Seestraße 26) übernimmt am 24.4.1855 durch Heirat der Witwe Anastasia Öttl, geb. Jocher. Keine Kinder aus dieser Ehe.
-
03.02.1876
Der Sohn aus erster Ehe Johann Öttl (geb. 15.2.1845 in Joch gest. 7.7.1891 in Murnau) übernimmt nach dem Stiefvater. Übergabe um 50 000 Mark.
Er heiratet am 28.2.1876 Elisabeth Eberl (geb. 26.1.1847 in Kochel gest. 16.1.1878 in Joch) vom „Leisch“ in Kochel Nr. 37.
In zweiter Ehe heiratet er am 2.4.1878 Katharina Höß (geb. 9.12.1853 in Ohlstadt U 7.8.1913 in Murnau).
-
3.5.1881
Johann Öttl erwarb das benachbarte Müller-Gut in Altjoch als der letzte Jocher Müller, Jakob Pössenbacher, verkaufen musste, obwohl es auch um ihn nicht zum Besten stand. So waren die beiden Jocherhöfe nach fast 400jähriger Trennung wieder vereint, alleerdings nur für 11 Jahre, bis auch hier wieder der Ruin das Ende brachte.
Der Kochler Chronist Hans Demleitner im Buch von Helmut Renner „Kochel am See“, Kochel 2005: „Die Tochter eines Kochler Fischerbauern (Elisabeth Eberl vom „Leisch“) war die Auserwählte, die die letzte Jocher-Bäuerin werden sollte. Dies war die größte Ehre, die einem Kochler Mädchen zukommen konnte. Natürlich brauchte die Braut eine dementsprechende Mitgift, und daheim verkaufte man sogar Grundstücke, damit man ihr etwas mitgeben konnte, Grundstücke, die über 1000 Jahre beim Hof waren. Der jungen Frau aber war ein grausames Schicksal beschieden. Das Eheglück war nur von kurzer Dauer. Ein Sohn wurde geboren, doch dann warf der Gram die Mutter aufs Krankenbett und bald darauf starb sie. Das Büblein folgte ihr nach einigen Monaten in den Tod. Der Grund mag die um 6 Jahre jüngere Stallmagd gewesen sein, die aus Ohlstadt kam und die der Bauer schon zweieinhalb Monate nach dem Tod der Bäuerin heiratete. Die Alten erzählten: <Als der Pfarrer der schwerkranken Bäuerin die Sterbesakramente bringen wollte, war das Haus abgesperrt. Er suchte nun Eilaß durch den Stall und überraschte da den Bauern mit seiner Magd auf dem Streuhaufen>. Der neuen ehe entsprossen 5 Kinder, doch nur ein Bub überlebte. Er wurde Finanzbeamter. Beim letzten Jocherbauern ging es nun stetig bergab. Vorbei schien es mit der einstigen Kraft des Jocher-Geschlechtes.... 1890 mußte der Jocher das Gut verkaufen. Der Bauer verzog nach Murnau, wo er von seiner Frau getrennt ebenso verarmt starb, wie sein einstiger Nachbar, der Müller. Noch einmal wurde das Gut verkauft. Man begann es aufzuteilen, bis es 1908 der Staatsforst erwarb. 1918 bis 1924 wurde auf dem Grund das Walchensee-Kraftwerk errichtet. Eine neue Zeit war angebrochen. Aus dem Bauernhof wurde ein Hotel.“
-
UM 1892
Johann Obermair von Gmund am Tegernsee kaufte das Gut in Altjoch von Johann Öttl, der dieses schlecht bewirtschaftet hatte und verkaufen musste und nach Murnau zog. Johann Obermair zertrümmerte das Gut.
-
1898
Peter Göring, Gutsbesitzer von Honeff am Rhein, übernimmt durch Kauf. Er ließ ein Gasthaus an Stelle der Gipsmühle bauen.
-
VOR 1914
Das Forstamt Benediktbeuern (Der Bayerische Staat) kauft das Anwesen.