Urfeld3

Urfeld Nr. 69 1/9 "Haus Sonneck"

  • 17.3.1905

    Emilie Olga Rosalie (Milly) Vogel(geb. 25.4.1864 in Breslau gest. 1913 in Berlin) kauft dieses Grundstück um 3 120 Mark von Michael und Maria Geiger, Besitzereheleute des „Fischer am See“ Nr. 69. Der Preis für die Dezimale (= 34,07 m2) betrug 80 Mark, es waren etwa 40 Dezimalen (=40/100 Tagwerk). Der Bau des Hauses kostete etwa 8 000 Mark, wovon 1 000 Mark auf Wasserrecht und Schiffshütte entfielen.

    Sie ist seit 6.8.1889 mit Karl Wilhelm Wolfgang Heine (geb. 3.5.1861 in Posen gest. 4.5.1944 in Ascona, Schweiz, später beerdigt auf dem Waldfriedhof in München), Rechtsanwalt in Berlin-Charlottenburg, Fasanenstraße 77, verheiratet.

    Er ist der Sohn von Professor Dr. phil. Heinrich Otto Heine, Direktor der Ritterakademie zu Brandenburg, und Meta Natalie Heine, geb. Bormann. Gymnasium zu Breslau. Studium zunächst Mineralogie, dann Jura in Breslau, Tübingen und Berlin. Kammergerichtsreferendar zu Berlin, seit 1889 Rechtsanwalt in Berlin. Sozialdemokratischer Politiker, 24 Jahre Mitglied des Reichstages für die SPD, 1918 preußischer Minister der Justiz, 25.3.1919 bis 29.3.1920 Minister des Innern im Kabinett Paul Hirsch. Rücktritt nach dem Kapp-Putsch (13.3.-17.3.1920). Er bekämpfte Hitler in Wort und Schrift. März 1933 Emigration in die Schweiz.

    Wolfgang Heine
  • 13.10.1908

    Urkunde der Königlichen Regierung von Oberbayern: Karl Wilhelm Wolfgang Heine, Rechtsanwalt, preußischer Staatsangehögiger, auf Grund seiner Niederlassung in der Gemeinde Kochel zugleich mit seiner Ehefrau Emilie Olga Rosalie, geborene Vogel, geboren am 25. April 1864 zu Breslau, und seinen Söhnen hat die Staatsangehörigkeit im Königreich Bayern erworben.

  • Aus den Erinnerungen von Wolfgang Heine (­ 1861 gest. 1944):

    ... In diesem Herbste (1903) erzählte Frau von Belle meiner Frau, dass sie im nächsten Sommer ihre Villa Waldwinkel (Nr. 69 1/5) vermieten müsste, weil sie mit ihrer Tochter, die ein Kind erwartete, zusammen sein wollte. Die beiden Frauen wurden schnell mietseinig und Milly brachte im Sommer 1904 mit Volker fast drei Monate in dem Häuschen Waldwinkel zu. Ich selber war zwei Monate dort. Jetzt lernten wir erst den Reiz der Landschaft am Walchensee und die Behaglichkeit des Wohnens im eigenen Hause, mit eigener Wirtschaft recht kennen und traten nun ernsthaft dem Vorschlage näher, den Herr von Vollmar uns schon seit Jahren machte, uns in seiner Nachbarschaft (Haus „Soiensaß“ Nr. 69 ¼) anzusiedeln. Ich untersuchte allerlei Baustellen, entwarf auf dem Vorplatz des Belli´schen Häuschens die verschiedensten Baupläne und wir verspannen uns immer mehr in diesen Gedanken. Die Ausführung bot aber unerwartete Schwierigkeiten, denn der alte Brunnerbauer Joseph Rieger, dem der ganze freie Grund gehörte, der nicht Staatseigentum war, wollte uns absolut nichts verkaufen. Er sprach davon, höchstens ein paar Villen bauen zu lassen, da er seine Tochter an einen Zimmermeister in Kochel verheiraten wollte und dann eine davon zu vermieten. Das lag natürlich nicht in unserem Wunsch. Durch den (Reichstags-) Abgeordneten Pachnicke, der mich in Urfeld besuchte, erfuhr ich dann aber, dass der künftige Schwiegersohn bereits Baustellen ausbot. Wir warteten also ab.

    Im Oktober rief mich plötzlich Vollmar telefrafisch nach Urfeld. Der alte Rieger musste das neue Fischergasthaus übernehmen, das er verpachtet gehabt hatte, und das Mobiliar mit 5 000 Mark bar auszahlen. Jetzt bot er mir selbst den Platz an, der Milly und mir immer besonders verlockend erschienen war. Wir waren in kurzem einig, nur dass Rieger um jeden Meter mehr, den er mir zubilligte, hartnäckig feilschte, nicht um den Preis zu treiben, sondern weil er sich als Bauer von keimem Fußbreit Bodens trennen konnte. Er stellte außerdem die Bedingung, dass sein Schwiegersohn das Haus baute. Ich machte nun einen neuen Entwurf, verständigte mich mit Zimmermeister Geiger und schloß kurz vor Weihnachten 1904 den Kauf- und Bauvertrag ab. ... Noch vor Neujahr wurde der erste Spatenstich zur Ausschachtung getan. Bald fiel Schnee, der weitere Arbeiten hinderte. Ich musste noch mehrmals hinreisen, teils um zu treiben, teils um Fehler zu beseitigen, aber zu Pfingsten (1905) stand das Haus bewohnbar da. Die Art, wie das Haus Sonneck vollendet wurde, war ganz charakteristisch für Milly. Sie kam acht Tage vor Pfingsten hin und fand die Arbeit noch ziemlich zurück. Um besser die Aufsicht führen zu können, zog sie mit ihrem Stubenmädchen in die oberen Zimmer, während unten noch Haustür und Fensterstöcke, ja die Dielung der großen Stube fehlten. Dies alles aber wurde dank ihrem Eifer und Treiben fertig.. ... Die innere Einrichtung war auch vornehmlich ihr Werk. ... Milly ließ auch die Anpflanzungen machen, den wilden Wein, die Kletterrosen und Efeukästen. Ganz ihr Werk war der reiche Flor von Blumentöpfen auf den Sollerbrüstungen, der unter ihrer sorgsamen Pflege schließlich auf Hunderte von wundervoll gehaltenen Pflanzen anschwoll. Nach ihrem Tode (1913) ist diese Pracht verfallen, die das laute Entzücken vieler Vorüberwandernder erregte. Es gehörte auch ein so lange dauernder Aufenthalt vom Frühling bis in den späten Herbst dazu, den nachher niemand mehr im Hause nehmen konnte.

  • 25.6.1914

    Notar Lewin, Berlin: Auf Grund des Testaments erben der Witwer und die beiden Kinder, 1916 durch Übernahme der Miteigentumsanteile der Kinder Wolfgang Heine allein.

  • August 1923

    Arnold Zweig schreibt in Wolfgang Heines Gästebuch:

    Deutschland, ja das rutscht abwärts die Leiter,

    Aber die Wellen glänzen weiter,

    Frühwinde rauhen den Walchensee

    Die Ziege Muckel meckert ihr Meh

    Mit Alttann behaart blickt der Herzogstand

    Mannhaft hin übers bairische Land,

    Himmel, wie ewig erschimmert sein Blau

    Der Jungstier brüllt in der Jachenau –

    Gottlob, wir alle sind nicht wichtig,

    Natur und Zeit allein gehen richtig;

    Und fallen wir alle jetzt auch zum Reste,

    Wolfgang Heines Haus hat Gäste.

    Gastfrei wie in besten Zeiten,

    Luxus der Seele, Sein aus dem Breiten;

    Zwar der Wirt nicht da; jedoch für ihn

    Stehn Fritz und Ilse Benjamin:

    Jugend, Späße ernstes Gespräch,

    Bad, und am See einen Abendweg,

    Künstlers Ernst und gesammeltes Streben –

    Ah, wir sind doch noch am Leben !

    Solang wir noch Freunde zu uns laden,

    Nicht einkapseln uns wie im Käs die Maden

    Lass sie sich ruhig um Kohlen kabbeln –

    Deutschland wird sich schon wieder rappeln.

  • 22.12.1926

    Karl Wilhelm Wolfgang Heine heiratet in zweiter Ehe Anna Elise Wissinger. Die Ehe wird geschieden.

    In dritter Ehe heiratet er am 22.12.1926 Cornelia Zeller (geb. 6.12.1889 in Riesenrode gest. 12.5.1966 in Berlin-Nikolassee).

  • März 1933

    Nach der Machtübernahme Adolf Hitlers geht Wolfgang Heine mit Ehefrau Cornelia in die Schweiz.

    Anläßlich der Emigration Wolfgang Heines in die Schweiz Überschreibung des Eigentums an die Söhne Dr. Walther Heine und Dr. Volker Heine, beide Rechtsanwälte.

  • 1933

    Dr. Otto Emil Walther Heine (geb. 24.7.1890 in Berlin gest. 11.10.1970 in München), Rechtsanwalt in München, übernimmt vom Vater.

    Er heiratet am 6.1.1916 Elisabeth (Else) Kuhlemann (geb. 5.7.18? gest. 17.2.1939).

    In zweiter Ehe heiratet er Mathilde (Thilde) Zenetti (geb. 9.7.1899 in Lauingen, Donau gest. 3.6.1999 in Weilheim).

  • Aus den Erinnerungen von Dr. Walther Heine (­ 1890 in Berlin gest. 1970):

    ... Dieser Sommeraufenthalt 1904 in Urfeld im Hause Belli hatte in mir die Sehnsucht erweckt, jedes Jahr nach Urfeld kommen zu können. Auf den Gedanken, dass meine Eltern sich einmal dort ein Häuschen bauen könnten, war ich allerdings nie gekommen. Wie erstaunt und beglückt war ich also, als ich im gleichen Jahre auf meinem Weihnachtstisch die Zeichnung und den Grundriß sowie den Lageplan eines Hauses fand, das im kommenden Frühjahr für uns in Urfeld gebaut werden sollte. Der Gedanke, ein eigenes Haus zu haben und noch dazu am Walchensee war ganz überwältigend für mich, und ich konnte es kaum glauben, dass so etwas wahr werden sollte.Zu Pfingsten 1905 nahm ich nicht an einer Schulwanderung teil, sondern fuhr nach Urfeld, wo nun Sonneck wirklich stand und von uns in Besitz genommen wurde. Als ich zusammen mit meinem Vater hinaufkam, war alles noch viel schöner als ich es mir hatte vorstellen können. Mit wie viel Liebe und Geschmack hatte meine Mutter alles eingerichtet. ... Ich habe es vom ersten Tage an als meine Heimat empfunden, und es ist bis heute meine Heimat geblieben. Wie glücklich macht es mich, dass meine Kinder auch so sehr an dem Haus hängen und alles tun, es zu erhalten und zu verbessern, und dass auch meine geliebte Thilde sich in dem Haus wohl fühlt und es als Heimat betrachtet.

    Walther Heine

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