Hoderer

Kochel am See Nr. 31 „Hoderer“

Heute Schlehdorfer Str. 20

Unter den 14 Höfen, die anno 1270 im Salbuch des Klosters Benediktbeuern erwähnt sind, ist auch der Hoderer.

Verschiedene Hinweise im vorvergangenen Halbjahrtausend lassen darauf schließen, dass beim Hof einmal ein Fischrecht war. Damit würde der Hoderer zu den 6 Ursiedlern von Kochel gehören, die sich bereits schon vor der Klostergründung hier ansiedelten. Dies könnte um die Zeitenwende geschehen sein, doch bestimmt schon in der ersten Hälfte des vorvergangenen Jahrtausends.

Anfang des 14. Jahrhunderts, so um 1330 dürfte eine Teilung des damaligen Halbhofes Hoderer erfolgt sein und zwar in den Viertelhof Hoderer und in den Viertelhof Illn. Wahrscheinlich ist damals das Fischrecht zum Illn gekommen und es könnte auch bei den folgenden Generationen einige Male gewechselt haben. Auf jeden Fall finden wir noch anno 1627 bei einer Übernahme des Hofes den Eintrag: „Viertelhof mit Schiff“.

Der Kochelsee war einst der fischreichste See von Bayern und der Fischfang mag bedeutend gewesen sein. Man einigte sich schließlich und künftighin fing der Illn die Fische und der Hoderer sorgte für den Verkauf des Fanges, er war Fischkäufler, was mehrmals urkundlich erwähnt wurde.

Dafür sprechen auch die stark angekohlten Sparren des alten Hofes und der eigenartige alte Kamin, der in der „Duin“ (Speicher) endete. Man hat wohl im Kamin und im Speicher die Fische geräuchert, um sie besser vor dem Verderb zu schützen.

Erst ab 1667 haben wir laufende Einträge über die Besitzer des Hofes.

Das alte Haus wurde 1968/69 abgerissen und 1973/74 im Obb. Freilichtmuseum auf der Glentleit’n bei Großweil wieder errichtet. Es geht damit als „Hodererhaus“ in die bayerische Geschichte ein.

  • 16.2.1667

    Otto Lintner übernimmt und heiratet am 16.2.1667 Brigitta März (geb. in Jachenau gest. 25.11.1668 in Kochel) von der Mühle, „Mühlbauergut“ in Jachenau Nr. 50. Keine Kinder.

    In zweiter Ehe heiratet er 3.6.1669 Anastasia Schlötzbaum (geb. in Rain gest. in Kochel).

  • 4.6.1678

    Martin Schröferl (geb. am um 1640 in Achmühl gest. 26.5.1724 in Kochel) übernimmt durch Kauf um 700 fl. Er ist Fischkäufler.

    Er heiratet Maria (gest. 28.9.1685 in Kochel) und in zweiter Ehe am 26.11.1685 Agnes Wagner (geb. um 1653 in Kochel gest. 3.1.1733 in Kochel) vom „Mesner“, seit 1863 „Schmied“ in Kochel Nr. 4.

  • 1720

    Peter Schröferl (geb. 25.7.1688 in Kochel gest. 19.2.1764 in Kochel), Fischkäufler, übernimmt 1720 vom Vater und heiratet 1729 Ursula Wocher (geb. in Untersteinbach gest. 4.4.1770 in Kochel).

  • 14.11.1757

    Balthasar Orterer (geb. 20.9.1721 in Jachenau gest. 12.6.1765 in Kochel), Fischkäufler, übernimmt am 14.11.1757 durch Heirat der Hoferbin Maria Schröferl (geb. 24.8.1733 in Kochel gest. 30.4.1807 in Kochel). Er stammt vom „Orterer“, am Ort Nr. 29, Jachenau.

  • 13.1.1766

    Melchior Riesch (geb. 20.9.1721 in Jachenau gest. 12.6.1765 in Kochel), Fischkäufler, übernimmt am 13.1.1766 durch Heirat der Witwe Maria Orterer, geb. Schröferl. Er stammt vom „Luitpolder“, Jachenau Nr. 49.

  • 25.1.1790

    Bernhard Kiefersauer (geb. 2.5.1761 in Laingruben (seit 1865 = Benediktbeuern) gest. 27.4.1815 in Kochel) übernimmt am 25.1.1790 durch Heirat der Hoferbin Francisca Riesch (geb. 4.11.1768 in Kochel gest. 6.4.1850 in Kochel).

  • 21.8.1815

    Johann Krinner (geb. 3.5.1786 in Jachenau gest. 23.2.1848 in Kochel) übernimmt am 21.8.1815 durch Heirat der Hoferbin Elisabeth Kiefersauer (geb. 28.12.1790 in Kochel gest. 27.2.1844 in Kochel). Er stammt vom „Hanslbauer“ bei der Mühl Nr. 51, Jachenau.

  • 1848

    Die Geschwister Johann Krinner, Catharina Krinner, Matthias Krinner, Bernhard Krinner, Franz Krinner, Elisabeth Krinner übernehmen gemeinsam.

    Die 6 Geschwister blieben ledig, hausten zusammen und machten sich durch Streiten gegenseitig das Leben sauer.

  • 1899

    Johann Baptist Eberl (geb. 21.7.1836 in Huglfing gest. 25.3.1902 in Kochel) übernimmt durch Kauf. Er stammt vom „Horner“ in Luketsried Nr. 2, Gemeinde Schöffau Nr. 12, seit der bayerischen Gemeindegebietsreform 1978 Gemeinde Huglfing. Er war seit 2.7.1866 beim „Michlbauer“ in Pössenbach Nr. 58, dort eingeheiratet. Er war ein besonders großer Mann.

    1882-1902: Bürgermeister von Kochel.

    Er heiratet am 2.7.1866 Maria Anna Huber (geb. 9.6.1838 in Pössenbach gest. 22.5.1884 in Kochel) vom „Michelbauer“ in Pössenbach Nr. 58.

  • 16.2.1903

    Nikolaus Eberl (geb. 3.6.1874 in Kochel gest. 25.10.1940 in Kochel) übernimmt nach dem Tod des Vaters und heiratet am 16.2.1903 Rosina Rieger (25.3.1866 in Benediktbeuern gest. 26.3.1946 in Kochel). Sie ist aufgewachsen beim „Christl“ in Kochel Nr. 41, mit ihrer Schwester Theres Schretter, geb. Rieger (­ 16.3.1865 in Benediktbeuern) bei ihrer Tante Agathe Mayr, geb. Zach.. Beide Töchter wurden adoptiert von Matthias Mayr, „Christl“ und sind Töchter von der Schwester seiner Frau Agathe Mayr, geb. Zach, der Rosina Rieger, geb. Zach.

  • 23.7.1938

    Nikolaus Eberl (geb. 17.11.1903 in Kochel gest. 1.2.1945 gefallen als Soldat im 2. Weltkrieg in Russland) übernimmt vom Vater und heiratet am 23.7.1938 Katharina Krinner (geb. 27.3.1915 in Kochel gest. in Kochel) vom „Loachmo“, „Laichmannbauer“, Kochel Nr. 33.

  • 6.4.1946

    Josef Rödel (geb. 1.3.1910 in Benediktbeuern gest. in Kochel) übernimmt am 6.4.1946 durch Heirat der Witwe Katharina Eberl, geb. Krinner.

  • 1950

    Joseph und Katharina Rödel verkaufen das alte Haus an die Gemeinde zur Friedhofserweiterung.

    1951/1952 errichten sie einen neuen Bauernhof an der Schlehdorfer Straße.

    Das alte „Hoderer“-Haus stammte von etwa 1750 und es war nichts erneuert worden. 1968/1969 wurde es abgebrochen und 1973/1974 wieder neu aufgebaut im Oberbayerischen Freilichtmuseum auf der Glentleiten bei Großweil. So bleibt das „Hodererhaus“ als Beispiel bayerischer Bauerngeschichte erhalten.

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