Urfeld3

Urfeld Nr. 69 1/4 Haus „Karwendelblick“, Haus „Soiensaß“

  • 2.5.1889

    Julie Kjellberg (geb. 1849 in Schweden gest. 5.2.1923 in Urfeld, Walchensee) erwirbt dieses Grundstück.

    Sie ist seit 1885 mit Georg Heinrich von Vollmar (geb. 7.3.1850 in München gest. 30.6.1922 in Urfeld, Walchensee), Politiker, verheiratet.

    Er war zunächst päpstlicher, dann bayerischer Offizier und Beamter (Kriegspost). Im deutsch-französischen Krieg 1870/1871 zog er sich als junger Offizier ein Nervenleiden zu, das ihn in späteren Jahren mehr und mehr an den Rollstuhl fesselte. Er wandte sich 1876 der Sozialdemokratie zu, vertrat eine radikale Politik, wurde wiederholt inhaftiert und ausgewiesen. Er war 1877/1878 für die Dresdner Volkszeitung, 1879 für die Parteizeitung „Sozialdemokrat“ in Zürich journalistisch tätig. 1881 bis 1887 und 1890 bis 1918 war er Mitglied des Reichstages. Er wandelte sich in seiner erfolgreichen parlamentarischen Arbeit zu einem bedeutenden Vertreter des Revisionismus, der sich, teilweise in scharfem Gegensatz zur Parteiführung, für die verantwortliche Mitarbeit der Partei im Parlament einsetzte (Quelle: Meyers Enzyklopädisches Lexikon). Nach ihm benannt ist die Georg-von Vollmar-Akademie in Kochel. Er war der Begründer der bayerischen Sozialdemokratischen Partei und ein Freund Wolfgang Heines, preußischer Minister in Berlin und Besitzer von „Haus Sonneck“, Urfeld Nr. 69 1/9. Der Entschluß zur Gründung der bayerischen Sozialdemokratischen Partei wurde hier im Urfelder Haus im Beisein von Karl Liebknecht und August Bebel gefasst.

  • Aus den „Erinnerungen“ von Nachbar Professor Berthold Kellermann: „Mit dem Ehepaar Julia und Georg von Vollmar standen meine Frau und ich in sehr freundschaftlichem Verkehr. Im gleichen Jahre, in dem ich die „Sporcksche Villa“ erwarb, baute Vollmar seine Villa „Soiensaß“. ... Vor seiner Heirat war Vollmar schroff und vielfach abstoßend in seinen politischen Äußerungen. Seine Frau, eine geborene Kjellberg, war Schwedin und eine hochgebildete, liebenswürdige und zartsinnige Frau, die Universitätsstudien betrieben hatte und auf ihren Mann einen außerordentlich günstigen Einfluß ausübte, so dass er nach und nach alle Schroffheit ablegte.

    Als Politiker war Vollmar weitblickend und hochsinnig, besaß einen scharfen Verstand, hatte großes Interesse für Kunst und Wissenschaft und war im Landtag für jeden Fortschritt zu haben. In späteren Jahren war er auch bei den Ministern sehr gerne gesehen....

    Reizend war er im persönlichen Verkehr, sehr witzig und humorvoll. Er war hochgebildet, besaß eine überraschende Belesenheit und sprach fließend französisch und englisch, mit seiner Frau auch schwedisch. ...

    Sowohl er wie auch seine Gattin, die sehr vermögend war, hatten großes Mitleid mit den Bedürftigen. Sie taten viel Gutes, aber immer so, dass die Allgemeinheit nichts davon erfuhr. Ursprünglich hatten sie die Absicht, ihr Anwesen am Walchensee testamentarisch zu einem Erholungsheim für Arbeiter zu bestimmen. Aber die Erfahrungen, die Vollmar gegen Ende des Ersten Weltkrieges (1914-1918) und besonders während und nach der Revolution machte, haben ihn und seine Frau bestimmt, ihre Absicht zu ändern. Vollmar war über die Revolution und deren Resultate tief bestürzt, was er mir gegenüber mehrmals unverhohlen erklärte. Mit Jean Jaurès in Paris war er sehr befreundet. Dieser hat ihn auch am Walchensee besucht, ebenso später der Reichspräsident Ebert. Die Nachricht von der Ermordung von Jean Jaurès am 31. Juli 1914 hat Vollmar auf das tiefste erschüttert. Er erklärte damals, Jaurès sei der einzige in Paris gewesen, der noch ein Gegengewicht gegen die Bestrebungen, Deutschland in einen Krieg zu verwickeln, gebildet hätte.“ Jean Jaurés. französischer Philosoph und Politiker, ­ 3.9.1859 in Castres gest. 31.7.1914 in Paris, 1883-1885 Professor in Toulouse, 1885-1889 Vertreter der Linksrepublikaner, 1893-1898 und 1902-1914 der Sozialisten in der Kammer. 1904 Gründung der Zeitung „L`Humanitè“.

  • 21.1.1923

    Irmgard Sänger übernimmt auf Grund Vermächtnisses im Testament vom 21.1.1923 der Julie von Vollmar und Urkunde des Notariats München XIV vom 9.3.1923.

  • 27.8.1929

    Richard Schilde (geb. 1881 gest. 23.9.1963 in München) in München, Ohmstraße 1 „Pension Gartenheim“ und seit 1921 Besitzer des „Fischer am See“ in Urfeld, übernimmt durch Kauf um 38 000 Goldmark, davon 14 000 Goldmark für Mobilien.

    Er heiratet Lina Hoppe (geb. 1878 gest. 16.9.1961 in München).

  • Wilhelm Sarcletti (geb. 18.2.1915 in München gest. 17.8.1996 in Urfeld) übernimmt durch Heirat der Erbin Dagmar Schilde (geb. 30.7.1922 in München gest. 10.10.1994 in Urfeld).

  • 1991

    Wilhelm und Dagmar Sarcletti geben aus Alters- und Gesundheitsgründen den Hotel- und Restaurantbetrieb auf.

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