Altjoch

Joch am Kochelsee, Kochel Nr. 43 „Müller von Joch“

1490: Heinz Kirchmayr aus Jachenau (Mühle) Hanslbauer, der sich dann, nachdem er die Jochertochter Margarete heiratete und Jocherbauer wird, „Jocher“ nennt, teilte den Hof. Sein Sohn Georg wird der Bauer im Joch und der Sohn Christoph bekommt den „Müller im Joch“. Nach Aufteilung verheiratete er sich 1490 mit Katharina Tolli von Kochel 25 (Wirt). Christoph stirbt 1522. Die einzige Tochter Katharina heiratete 1536 einen Georg Reiser von Kochel.

Die Witwe Katharina Jocher bewirtschaftet nun gemeinsam mit dem Bauern im Joch, Georg, die beiden Höfe weiter.

Veit, der Sohn ihres Schwagers Georg scheint die beiden Höfe eine weitere Generation zusammen bewirtschaftet haben.

Dann aber übergibt er den Bauer im Joch seinem erstgeborenen Sohn Silvester und den Müller seinem Sohn Christoph.

Im Salbuch des Klosters Benediktbeuern ist für 1592 vermerkt, dass die Familie der Jocher den Kocheler Gips abbaut und verwertet. Die Jocher waren aus einer 100jährigen Erfahrung im Erzbergbau mit der Erschließung von Lagerstätten vertraut und waren im Besitz der notwendigen Einrichtungen wie Brennöfen und Mühle/Steinstampfe. Zum Brennen und Mahlen mussten die gebrochenen Gipssteine nach Joch gefahren werden, der Weitertransport des fertigen Gipses erfolgte dann auf Flößen, welche schon auf Grund des Holzhandels reichlich zur Verfügung standen. 1622 bedankt sich der Herzog von Bayern für ein Geschenk von 20 Fässern Gips und 20 Floß Holz für den Bau der Paulanerkirche in München. Der Jocher Gips war wegen seiner Qualität von den Stukkateuren, vor allem den Wessobrunner, sehr geschätzt. 1863 wird der „Seehof“ erbaut, unweit davon ein neues Sägewerk, das sich zur Mühle und Stampfe verändert und umgewidmet wird zum Gipswerk. Die Brennöfen werden mit vor Ort hergestellter Holzkohle betrieben. Der Abtransport erfolgt noch auf vor Ort gebauten Flößen, bis 1898 nach dem Anschluß an das Eisenbahnnetz sich der Transport auf die Bahn verlagert. 1938 ging das letzte Floß nach München ab.

1880 gerieten die Jocher in finanzielle Schwierigkeiten. 1885 ersteigert Dr. Gustav Heckert Gipswerk und Gipsbruch, „Gipsfabrik Kochel AG“. Der Betrieb wurde zwischen 1918 und 1927 zweimal veräußert und dann eingestellt, 1927 ersteigert eine Landshuter Farbenfabrik das Werk. Während des Zweiten Weltkrieges (1939-1945) wurden dort Rüstungsteile hergestellt, 1948 bis 1950 übernahm der metallverarbeitende Betrieb Fleischmann.

1950 übernimmt der in der russisch bessetzten Zone, in Sonneberg in Thüringen, enteignete Betrieb Dorst die maroden Hallen und gründet die Firma Dorst neu auf ehemaligem Jocher-Grund. (Quelle: Helmut Renner „Kochel am See“, Kochel 2005).

  • UM 1580

    Christoph Jocher (geb. in Joch gest. in Joch) übernimmt vom Vater, Müller und Bauer in Joch. Mahl- und Sägmühle und Gipsbruch.

    Er heiratet um 1580 Rosina Mayr (geb. um 1560 in Großweil gest. in Joch) vom „Sedelhof“ (Wirt) in Großweil Nr. 21 (später „Das Gasthaus zur Loisach“).

    In zweiter Ehe heiratet er Elisabeth (gest. in Joch).

  • 25.8.1618

    Der Sohn aus erster Ehe Hans Jocher (geb. in Joch gest. 7.7.1667 in Joch) übernimmt vom Vater, Müller und Bauer in Joch. Mahl- und Sägmühle und Gipsbruch.
    Er heiratet am 25.8.1618 Ursula Staisberger (Stoßberger) (geb. in Leibersberg gest. 14.8.1679 in Joch) von Leibersberg Nr. 2 „Doribauer“, Pfarrei Aidling.

    In zweiter Ehe heiratet er am 19.9.1623 Barbara Bernwieser (geb. um 1600 in Oberenzenau gest. 14.8.1679 in Joch).

  • 26.4.1667

    Der Sohn aus zweiter Ehe Ignaz Jocher (geb. um 1628 in Joch gest. 13.4.1702 in Joch) übernimmt vom Vater, Müller und Bauer in Joch. Mahl- und Sägmühle und Gipsbruch.

    Er heiratet am 26.4.1667 Elisabeth Noderer (gest. 15.3.1709 in Joch) aus der Pfarrei Beuerberg.

  • 3.8.1705

    Johann Baptist Jocher (geb. 3.5.1674 in Joch gest. 31.5.1724 in Joch) übernimmt vom Vater, Müller und Bauer in Joch. Mahl- und Sägmühle und Gipsbruch.

    Er heiratet am 3.8.1705 Anastasia Bentzberger (geb. 23.12.1677 in Enzenau (geb. 28.5.1757 in Joch).

  • 8.11.1734

    Michael Jocher (geb. 22.11.1707 in Joch gest. 7.10.1763 in Joch) übernimmt vom Vater, Müller und Bauer in Joch. Mahl- und Sägmühle und Gipsbruch.

    Er heiratet am 8.11.1734 Rosina Öttl (geb. 6.3.1710 in Höfen/Jachenau U 21.2.1783 in Joch) vom „Müllersbauer“ in Höfen Nr. 20, Pfarrei Jachenau. Sie war außerordentlich umsichtig und klug, sehr wohltätig gegen Arme und der Kirche. Sie brachte den Witwenstand lesend und betend zu und starb eines außergewöhnlich erbauenden Todes.

  • 7.2.1774

    Andreas Jocher (geb. 1.11.1735 in Joch gest. 7.6.1821 in Joch) übernimmt vom Vater, Müller und Bauer in Joch. Mahl- und Sägmühle und Gipsbruch.

    Er heiratet am 7.2.1774 Maria Pacher (geb. 12.5.1747 in Königsdorf gest. 13.6.1820 in Joch) von Königsdorf „Pach“. Keine Kinder.

  • 13.6.1807

    Karl Jocher (geb. 17.6.1783 in Einöd gest. in Joch) übernimmt den 1/3 „Müllerhof“ samt Gerechtigkeit und aller Einrichtung laut Kaufbrief um 5 740 fl vom kinderlosen Onkel Andreas Jocher, der ihn auch auf dem Hof in Joch erzogen hat, Bruder seines Vaters Karl Jocher, der am 25.6.1782 nach Einöd bei Dietramszell geheiratet hatte. Mutter und Hoferbin in Einöd: Witwe Ursula Suttner.

    Er heiratet am 10.8.1807 Maria Anna Pössenbacher (geb. 13.5.1777 in Kleinweil gest. 2.6.1850 in Joch) von Kleinweil Nr. 11, „Die Pöltenhub“, Pfarrei Großweil.

  • 3.3.1817

    Johann Michael Pössenbacher (geb. 10.9.1791 in Kleinweil gest. 12.9.1854 in München an Cholera) übernimmt durch Kauf von seinem Schwager Karl Jocher und seiner Schwester Maria Anna, geb. Pössenbacher. Er stammt von Kleinweil Nr. 11, „Die Pöltenhub“, Pfarrei Großweil.

    Er heiratet am 3.3.1817 Anna Mittermüller (geb. 29.12.1783 in Mittermühl gest. 2.6.1850 in Joch), Müllerstochter von Mittermühl bei Ebersberg, Pfarrei Emmering.

  • 1852

    Johann Michael Pössenbacher kauft von seinem Vetter Joseph Pössenbacher (­geb. 15.2.1799 in Kleinweil „Pöltenhub“), Kunstschreiner in München, dessen Anwesen München, Wasserstr. 3, spätere Erhardtstraße, mit Gips- und Sägmühle und zieht dorthin.

  • 28.9.1853

    Jakob Pössenbacher (geb. 11.7.1819 in Joch gest. 27.1.1898 in München) übernimmt vom Vater. Übergabevertrag vom 28.9.1853: Das Müllergut zu Joch nebst Mahlmühle, Sägmühle, 2 Gipsmühlen. In München an der Wasserstraße (Grünwald) die Häuser Nr. 3, 4 und 5 samt der Gipsmühlen und Sägmühlen, Wiesen und Waldbesitz im Landgericht Tölz und ebenso im Landgericht Weilheim. Der Übernehmer Jacob Pössenbacher braucht weder einen Zehrpfennig noch einen Austrag an den Vater zu leisten. Dieser behält sich genügend Besitz vor, um gut und unabhängig leben zu können. Der Sohn soll lediglich jährlich 3 Klafter Buchenholz in seine Wohnung nach München liefern, zusätzlich Gipssteine aus dem Bruch zu Joch. Die beiden Schwestern sind bereits reich verheiratet als Ehefrauen von Bierbrauern von Wolfratshausen und Tölz. Jedes der drei noch ledigen Kinder erhält 8000 fl Elterngut nebst der Ausfertigung im Wert von 200 fl.

    Er heiratet am 14.5.1861 Agathe Bierling (geb. ­ 5.5.1835 in Bayersoien gest. 11.6.1895 in Ried bei Benediktbeuern, Gemeinde und Pfarrei Kochel), Kaufmannstochter von Bayersoien.

    Jakob war ein großer stattlicher Mann. Seine Frau Agathe war es, die den Jocher Hof ruinierte.

  • 3.5.1881

    Jakob Pössenbacher besaß Hof, Mahlmühle, Sägmühle, Gipsmühle, Gipsbruch und baute auf Betreiben seiner Frau in Neujoch das Hotel Seehof (späteres Altenheim von Kochel). Sie lebten auf großem Fuß und kamen in Nöten. Schließlich mussten sie am 3.5.1881 das Anwesen an den benachbarten Jocher-Bauern Johann Öttl verkaufen. Dieser ließ das Haus niederreißen, das laut Inschrift im Jahre 1633 erbaut wurde.

    Der Kochler Chronist Hans Demleitner im Buch von Helmut Renner „Kochel am See“, Kochel 2005: „... Der Hof wurde nun vom Bruder der Frau, dem Müller Michael Pössenbacher von Kleinweil gekauft. Ging es dieser Generation noch gut, so war, als des Müllers Sohn Jakob den Hof übernahm, das Urteil gesprochen. Eine Frau ruinierte ihm den Besitz. Diese Frau kam von einem Kramerladen aus Bayersoien und nannte sich Kaufmannstochter. Sie schien größenwahnsinnig gewesen zu sein. Von ihr stammte der Spruch, dass man alle Brunnen ausschöpfen könne, den Jocher jedoch nie. Sie wollte immer hoch hinaus. Und da ist überliefert, dass ihr Mann Jakob, der ein großer stattlicher Mann war, dieser Frau jedoch nicht gewachsen gewesen zu sein schien. Auf ihr Drängen baute Jakob den Seehof (heute, 2005, Seniorenheim). Das Haus war als Fremdenhotel gedacht. Eine Tochter sollte es bekommen und führen. Damit aber hatte sich der Jakob finanziell übernommen. 1882 mußte der Seehof versteigert werden, denn das erwartete Geschäft war ausgeblieben. Freilich hatte man noch gut mit der Lieferung von Gips und Holz verdient. Doch es gibt einen Spruch, dass die Frau mit der Schürze mehr aus dem Hof tragen kann, als der Mann mit dem Fuhrwerk hereinbringt. Und das mag auch der Grund für das Unheil gewesen sein. Bestimmt war es auch die Mutter, die ihre Kinder mit ihren hochtrabenden Plänen beeinflusste. Alle sollten sie "etwas Besseres" werden. Sie konnten höhere Schulen besuchen, damit sie sich, wie es damals hieß, die Hände nicht mehr schmutzig zu machen brauchten. Der einzige Sohn, also der Hoferbe, wanderte nach Amerika aus und wurde dort Bierbrauer. Eine Tochter wurde Haushälterin, eine sogar Hausbesitzerin in München und eine ging, als sie alt war, zu den Verwandten ihrer Mutter nach Bayersoien. Die Schulden drückten, und da nun keine junge Kraft mehr da war, die das Ruder hätte herumreißen können, wich die Großmannssucht bald der Resignation. Wie mag es dem stattlichen Jakob Pössenbacher ums Herz gewesen sein, als er zu seinem Nachbarn, dem Bauern, gehen musste, um ihm seinen Hof zum Kauf anzubieten. Und der kaufte ihn, obgleich es auch mit ihm nicht zum Besten stand. ... Die beiden Müller-Eheleute zogen nun von Joch weg und sollen ziemlich verarmt gestorben sein.“

  • 3.5.1881

    Johann Öttl von Joch 44 (Bauer). Dieser ließ das Haus des „Müller von Joch“ niederreißen. Das niedergerissene Haus war laut Inschrift im Jahre 1633 erbaut und stand unmittelbar hinter dem jetzt zu einem Hotel umgebauten Lutzhof. Weiteres bei Joch 44.

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