Kochel am See Nr. 10 ½ später Nr. 1 ½ „Orterer“, „Oberschmied“
Heute Kalmbachstr. 3
Die Gründung des Anwesens dürfte um 1700 gewesen sein. Zunächst war es wohl ein Austragshaus für den Moarbauern, dessen Grundstücksgrenzen vom Bachlauf des Kalmbaches abgegrenzt wurden.
Im späten 18. Jahrhundert erkannte man wohl, dass in Kochel durch den zunehmenden Reiseverkehr eine zweite Dorfschmiede notwendig sei. Das Kloster Benediktbeuern hat dann auch die Genehmigung zur Gründung gegeben. Ein Johann Orterer, der vom Hoderer-Anwesen stammte, dessen Vater vom Orterer aus der Jachenau dorthin heiratete, hatte das Schmiedehandwerk wohl beim Schmied in Kochel erlernt. Im Geschlecht der Orterer mag viel Kraft gewesen sein, denn der Vater des Johann, Balthasar Orterer baut anno 1765 das kurz zuvor abgebrannte Hoderer Anwesen wieder auf, starb dann und die Mutter heiratete einen Melchior Riesch aus der Jachenau. Es kamen wieder Kinder und so ist es verständlich, dass man den Erstgeborenen aus erster Ehe dementsprechend abfand.
Johann Orterer konnte sich das Nebenhaus vom Moar 10 ½ kaufen. Er scheint sehr tüchtig gewesen zu sein und mit der Schmiede auch gut verdient zu haben. Aus dem wohl ehemaligen kleinen Häuschen bei dem vielleicht die Futtergrundlage für eine Kuh dabei war, baute er einen stattlichen Bauernhof, erwarb Grundstücke und hatte wohl an die 10 oder 12 Stück Vieh. Einen Bergteil oder ein Weiderecht auf den Gemeindegründen besaß er jedoch nicht. Gegen Entgelt durfte jedoch sein Vieh auf der Gemeinde-weide weiden.
Johann Orterer konnte sogar am 19.12.1782 das Schmiedeanwesen Hs-Nr. 1, mit Schmiede für 1500 Gulden, dem damaligen Wert von 40 Kühen, kaufen. Das Anwesen gehörte bis dahin Maria Humpl, geb. Heinrici, und stand zwischen der jetzigen Alpenrose und dem Schusteranwesen. Später wurde das Anwesen von Fam. Dessauer abgerissen. Die Schmiede ist heute ein Lokal.
Sein Sohn Michael Orterer war ebenfalls Schmied und Gipsmüller. Er scheint ebenfalls sehr tüchtig und weitblickend gewesen zu sein. Er betrieb die Gipsmühle (Moar Irgl, an der Kohlleite), hatte an die 10 Gespanne, mit denen er den Gips wegbrachte.
Ansehen und Stärke eines Geschlechtes geht aus den Archivalien durch die Heiraten der Besitzer und deren Kinder hervor. Die Orterer heirateten Frauen, die wiederum Geld ins Haus brachten und sie konnten auch ihren Kindern viel mitgeben, was die Einheirat in einen guten Hof ermöglichte. Zwei Orterer-Töchter heirateten sogar Beamte.
Mit der Heirat der M. Anna mit einem Stabskassier von München ging aber das Geschlecht unter.
Der Orterer-Hof wurde verkauft und zertrümmert.
Das Anwesen Nr. 1 verkaufte Michael Orterer etwa 1840 an Hofrat Georg von Dessauer.
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VOR 1782
Johann Orterer (geb. 29.5.1761 in Kochel gest. 10.7.1831 in Kochel), gelernter Schmied in Kochel Nr. 10 ½, „Orterer“, „Oberschmied“, Nebenhaus vom „Moar“ Nr. 10, übernimmt am 19.12.1782 auch das Schmiedeanwesen „Schmied“ in Kochel Nr. 1 durch Kauf um 1 500 fl. Er stammt von Kochel Nr. 31 „Hoderer“, Sohn von Balthasar Orterer von Jachenau, der beim „Hoderer“ einheiratete und 1765 das kurz zvor abgebrannte „Hoderer“-Anwesen wieder aufbaute. Nachdem der Vater früh starb und die Mutter wieder heiratete, wurde der älteste Sohn aus der ersten Ehe Johann Orterer so abgefunden, dass er dieses Anwesen Nr. 10 ½ erwerben konnte und infolge seiner Tüchtigkeit dann auch das Anwesen Nr. 1.
Er heiratet am 3.2.1783 Maria Oswald (geb. 26.10.1762 in Sachenbach, Jachenau gest. 14.10.1784 in Kochel) vom „Seppenbauer“ in Sachenbach Nr. 2. Sie ertrank, vom Moos kommend, bei der Heimfahrt im Rohrsee, zusammen mit Rosina Riesch vom „Moar Lantfried“ Nr. 10 ½ und Jakob Roboaster aus Tirol.
In zweiter Ehe heiratet er am 17.1.1785 Maria Theres Laichmann (geb. 14.10.1761 in Bichl gest. 25.5.1834 in Kochel).
Johann Orterer scheint sehr tüchtig gewesen zu sein. Aus dem wohl ehemals kleinen Häuschen (Nebenhaus des „Moar“) bei dem vielleicht die Futtergrundlage für eine Kuh dabei war, baute er einen stattlichen Bauernhof, erwarb Grundstücke und hatte 10 oder 12 Stück Vieh. Einen Bergteil oder ein Weiderecht auf den Gemeindegründen besaß er jedoch nicht. Gegen Entgelt durfte jedoch sein Vieh auf der Gemeindeweide weiden.
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12.1.1824
Michael Orterer (geb. 22.9.1794 in Kochel gest. 29.6.1862 in Kochel), Schmied, übernimmt vom Vater. Er war zugleich Gipsmüller. Er betrieb die Gipsmühle „Moar Irgl“ an der Kohlleite und hatte an die 10 Gespanne, mit denen er den Gips fortbrachte.
Er heiratet am 12.1.1824 Anastasia Müller (geb. 29.3.1806 in Kochel gest. 24.8.1857 in Kochel) vom „Wirt“ in Kochel Nr. 25.
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29.6.1862
Die Tochter Maria Anna Orterer (geb. 28.9.1831 in Kochel gest. 16.2.1864 in Kochel) übernimmt nach dem Tod des verwitweten Vaters am 29.6.1862.
Sie heiratet 1863 August Appel (gest. in München), Stabskassier in München.
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UM 1880
Joseph Öttl (geb. 20.4.1832 in Kochel gest. 12.5.1888 in Kochel), Fischer, übernimmt durch Kauf um 40 000 fl vom Witwer August Appel. Besitzstand: 24,383 Hektar = 70 Tagwerk 56 Dezimalen. Er war zuerst auf Kochel Nr. 28 „Öttl“, das er am 13.2.1860 von den Eltern Thomas Öttl und Creszenz Öttl, geb. Müller übernommen hatte. Bei dem Kauf des Anwesens übergab er das elterliche Anwesen „Öttl“ an seinen Bruder Johann Öttl, der in Bichl verheiratet war. Joseph Öttl war auch Fischkäufler und betrieb den Holzhandel bis Wien. 1861 wurde er Dorfvorsteher. Am 29.3.1862 kauft er zusätzlich das Anwesen „Falter“, Kochel Nr. 36 von dem ledigen Hoferben Franz Xaver Gattinger und verkauft es wieder am 11.3.1879 um 9 085 Mark an Sebastian Sonner von Habach.
Er heiratet am 13.2.1860 Maria Creszenz Hutter (geb. 6.5.1831 in Nonnenwald gest. in Kochel) vom „Mayr“ in Pensberg Nr.3 im Nonnenwald, Pfarrei Antdorf, Gemeinde Sankt Johannisrain, seit 1911 Gemeinde Stadt Penzberg.
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21.1.1890
Moses Reinemann, Güterhändler, übernimmt durch Kauf von der Witwe Maria Creszenz Öttl, geb Hutter um 63 000 Mark für Immobilien und 25 000 Mark für Mobilien. 171 Tagwerk 67 Dezimalen = 58,494 Hektar. Er zertrümmert das Anwesen. Das Stallgebäude mit den Grundstücken („Pfundweiher“) kaufte der Gastwirt Franz Pfund (geb. 27.11.1853 in Lenggriesgest. 11.9.1936 in Benediktbeuern) von Benediktbeuern Nr. 24 Gastwirt zum „Herzogstand“., der die Grundstücke wieder veräußerte, aber 10,556 Hektar vorbehält und nach Nr. 1/8 neu transferiert. 7.2.1890: Kaufvertrag, Notar Karl in Tölz: Kauf um 26 200 Mark, Besitzstand: 14,828 Hektar = 43 Tagwerk 52 Dezimalen.
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6.8.1898
Johann Wydler, Besitzer der Brauerei Schlehdorf von 1897 bis 1902, Gasthof „Klosterbräu“ in Schlehdorf Nr. 13, ein Schweizer Versicherungsagent von München, übernimmt durch Kauf um 28 000 Mark. Er ließ den Stall abbrechen und errichtete 1902 an dessen Stelle das Gasthaus „Prinz Ludwig“. Das Gasthaus fiel 1965 dem Feuerteufel zum Opfer.
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1906
Die Maffei’sche Brauerei in Staltach, Pfarrei Iffeldorf übernimmt durch Kauf.
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10.10.1923
Josef Drexler (geb. 10.5.1888 U 14.2.1971 in Kochel), Bäckermeister von Planegg bei München, übernimmt als Pächter und errichtet eine Bäckerei.
Er heiratet Anna Mang (geb. 15.10.1896 in Babenhausen U 3.8.1955 in Kochel).
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1927
Die Paulaner Thomasbräu Aktiengesellschaft in München übernimmt durch Kauf.
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1952
Haus und Grundstück, das ehemalige „Orterer“-Bauernhaus, jetzt Bäckerei verkaufte die Paulanerbrauerei, München, 1952 an Bäckermeister Eberl in Bichl.
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15.9.1953
Heribert Drexler (geb. 28.4.1924 in Kochel gest. in Kochel), Bäckermeister, übernimmt die Bäckerei vom Vater und erwirbt das Anwesen am 15.9.1953.
Er heiratet Irmgard Entmoser (geb. 13.9.1925 in Neubäu in der Oberpfalz gest. in Kochel).
Vergrößerung und Modernisierung der Bäckerei durch Heribert und irmgard Drexler.
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1964
An Stelle der alten Schmiede des „Orterer“ Neubau eines Bäckereigebäudes mit Wohnung, die Bäckerei nach neuesten Erkenntnissen mit Maschinen ausgestattet.
Lieferungen mit Brot und Gebäck in Kochel und nach Bad Tölz, Jachenau, Garmisch und Wallgau.
Backerzeugnisse mehrmals mit Gold- und Silberplaketten ausgezeichnet.
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30.6.1971
Sie erwarben von Herrn Walter das Gebäude der alten Bäcken-Mühl, das von ihnen zu einer Villa ausgebaut wurde. Heribert und Irmgard richteten sie traumhaft ein.
Heribert war sehr abenteuerlustig. Er unternahm mehrere Reisen, z. T. in das Innere Afrikas.