Festschrift zur Einweihung des neuen Fischerbrunnens am Pfarrer-Demleitner-Platz am 21.Juni 2026
„Am 4. September (1937) wurde der von Matthias Lautenbacher von hier gefertigte Schiffer-Brunnen im unteren Dorf aufgestellt.“ So lautet der letzte Eintrag in der Kochler Chronik II, bevor kurz darauf der Kochler Chronist und Förderer des Kochler Bildhauers Lautenbacher, Dr. Otto Freiherr von und zu Aufsess, verstarb.
Ein Jahr später entstand das rechts dargestellte Foto. Es wurde uns am 19. April 2026 von Herrn Patrick Vollring aus Leipzig per E-Mail zugesandt. Es stammt aus einem Fotoalbum von seinen Großeltern.
Viele Vermutungen, die wir bei den Vorbereitungen und während der Arbeiten zur Erneuerung des Brunnens anstellten, wurden durch dieses Foto bestätigt. Leider hat es den Weg zu uns nicht schon früher gefunden.
Was man auf dem Foto gut erkennt:
Die Oberfläche ist nicht glattgeschliffen und glänzend, sondern weist eine Struktur auf, die durch die Bearbeitung mit Schnitzwerkzeugen entstanden ist.
Sockel und Figur sind aus einem Stück gefertigt. Das ganze Gebilde hat also eine (senkrechte) Maserrichtung. Das ist auch logisch, denn sonst wären die Füße extrem der Gefahr des Abspaltens ausgesetzt.
Der Zustand des vermeintlichen „Originals“ präsentierte sich mit Hut und Füßen in waagrechter Maserrichtung. Dies war wohl das Ergebnis früherer Restaurierungsarbeiten.
Der ursprüngliche Brunnentrog entsprach in der Formgebung den in der Region typischen Einbäumen der alten Fischer.
Der Wasserspeier war – dem Zeitgeschmack entsprechend - schlicht gestaltet.
Warum war eine Erneuerung der Skulptur nötig?
Der Werkstoff Holz unterliegt, wenn er ungeschützt dem Wetter ausgesetzt ist, der Verwitterung, und das besonders an den waagrechten Holzflächen. Eichenholz (die Holzart des Fischerbrunnens) ist zwar relativ robust gegenüber Fäulnis, doch geht es im Endeffekt auch den Weg allen Irdischen - nur etwas später als andere Holzarten wie z.B. Lindenholz, das sich wesentlich leichter bearbeiten ließe.
So ist es auch unserer Fischerstatue ergangen: Sie hat im Laufe der Zeit Risse bekommen und wies wohl an manchen Stellen Schäden durch Verwitterung auf (Hut und Füße). Diese wurden dann ergänzt, und zwar mit geänderter, waagrechter Maserrichtung. Auch wurden die Risse mit Bitumen (?) verschlossen, die Oberfläche glattgeschliffen und versiegelt. Dieses Vorgehen war mit viel Liebe und Zeitaufwand verbunden, konnte aber nicht verhindern, dass der massive Holzkörper im Laufe der Jahrzehnte von innen heraus verfaulte.
Aus diesem Grund wurde die Statue in den letzten Jahren vom Gemeindebauhof nicht mehr aufgestellt, da die Sorge bestand, sie könnte brechen.
Konzept zur Erneuerung
Mangels zuverlässiger Informationen (das Foto aus Leipzig war noch nicht bekannt) wurde das vorhandene „Original“ als Grundlage zur Rekonstruktion verwendet.
Fertigen einer möglichst 1:1-Kopie aus einem massiven Eichenstamm, erworben 2022 von Hans Ertl, (Huss) in Gaißach).
Die zwangsläufig entstehende Rissbildung und ebenso die künftigen Veränderungen durch Verwitterung sollen toleriert werden, um der Figur ihr Eigenleben zuzugestehen.
Der neue Brunntrog soll wieder dem Aussehen eines historischen Einbaums nachempfunden werden. Der Eichenstamm dafür wurde von Tobias Ludwig (Stoabeck) in Gaißach erworben.
Chronologie des Fischerbrunnens
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1988
Restaurierung und Fest am Fischerbrunnen zur Finanzierung der Arbeiten
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2010
Restaurierung und Fest am Fischerbrunnen zur Finanzierung der Arbeiten
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2018
Figur und Brunnen werden nicht mehr aufgestellt
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2022
Ankauf eines Eichenstammes durch die Familien Neuner und Leutenbauer; Zurichten des Eichenstammes: Sägewerk Hundegger, Stallau (gespendet); Zuschneiden mit Motorsäge: Kilian Lautenbacher, Schnitzen der Figur: Max Leutenbauer jun.
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2025-2026
Anfertigen der Kopie durch Max Leutenbauer jun., kräftig unterstützt durch Kilian und Mathias Lautenbacher; Ankauf eines Eichenstammes für den Brunnentrog; Anfertigung des Troges: Hans Resenberger, Markus und Mathias Graf
Um die Restaurierung und laufende Pflege des Kochler Wahrzeichens kümmerte sich bereits mehrmals die „Bürgerinitiative Fischerbrunnen“. Initiatoren waren Josef Neuner sen., Franz Mayer, Josef Neuner jun. und Sonja Mayer. Die Kochler Uli Müller und Sebastian Mayr kümmerten sich viele Jahre um die Pflege und Reinigung des Ensembles.
Der Zufall wollte es, dass beide nicht nur die gleichen Initialen (M.L.) haben, sondern unweit voneinander in der Alten Straße in Kochel aufgewachsen sind.
Herzlichen Dank an alle Akteure!
Familie Lautenbacher „Erhard“, Kochel/Ort (Holztransport, Motorsägenarbeiten, Verpflegung, …)
Max Leutenbauer jun., Kochel (Schnitzarbeit)
Hans Resenberger Kochel/Ort (Brunnentrog, Konstruktion der Verbindung von Sockel mit Figur)
Markus und Mathias Graf, Kochel (Brunnentrog)
Sägewerk Hundegger, Bad Heilbrunn (Zurichten der Eichenstämme mit Blockbandsäge)
Balthasar Bauer, Gaißach (Holztransport)
Hans Schinnagl, Gaißach (Holztransport)
Hans Ertl, Gaißach (Eichenstamm für Fischerstatue)
Tobias Ludwig, Gaißach (Eichenstamm für Brunnentrog)
Firma Dorst, Kochel (Edelstahl-Bauteile)
Gemeinde-Bauhof (Erdarbeiten, Rückbauarbeiten, …)
Nikolaus Eberl (Betonfundament, …)
Helmut (Lupo) Krinner (Installationsarbeiten)
Familie Thalmayer (großzügige Unterstützung beim Fischerbrunnenfest)
Sparkasse Bad Tölz – Wolfratshausen (Zuwendung)
Fischereigenossenschaft Kochelsee (Spende)
Familie Sebastian Mayr (Unterstützung beim Fischerbrunnenfest)
Freiwillige Feuerwehr Kochel a. See (Unterstützung beim Fischerbrunnenfest)
Blaskapelle Kochel a. See (Unterstützung beim Fischerbrunnenfest)
Trachtenverein Schmied-von-Kochel (Unterstützung beim Fischerbrunnenfest)
Verein für Heimatgeschichte im Zweiseenland Kochel e.V., insbesondere Hans Mayr und Hubert Schwaiger (Organisation des Festes, Kasse, Koordination, …)
Besonderer Dank gilt Pater Benedikt Lautenbacher für die Spendung des Segens und der Dorst-Löcherer-Stiftung, durch deren Engagement das ganze Projekt auf eine solide finanzielle Basis gestellt werden konnte.