Kochel am See Nr. 66 Schloss "Aspenstein"
Heute Am Aspensteinbichl 7
Abt Eliland II. von Benediktbeuern kaufte den Aspensteinbichl im Jahre 1693 um 23 Gulden (den damaligen Wert von etwa 3 Kühen) von Michal Öttl, Besitzer von Kochel 17 (Oswald) und ließ dort ein Erholungsheim für alte und kranke Klostergeistliche einrichten. Für die Errichtung dieses Baues wurde eine erhebliche Geldstrafe verwendet, die einem Kochler (der Name ist unbekannt) auferlegt worden war, weil er im Kloster Benediktbeuern 1693 einen schweren Diebstahl begangen hatte, dafür zum Tode verurteilt wurde, doch vom Kurfürsten begnadigt worden war. Dieses Haus nannte man „das Kochler Haus“.
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1803
Georg Freiherr von Stengel übernimmt durch Kauf um 300 Gulden vom Bayerischen Staat nach der Säkularisation. Er verkaufte die ehemaligen Klosterrealitäten. Er ist königlich bayerischer Oberfinanzrat in München.
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9.8.1815
Ignatz Huber übernimmt durch Kauf um 1 600 fl. Er ist Weinhändler in München und richtet auf dem Aspenstein eine florierende Wirtschaft „Buchbichl“ und eine Kegelbahn ein.
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1835
In diesem Jahr kam der Hofrat Dr. jur. Georg von Dessauer hier mit seiner Frau zur Sommerfrische.
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21.1.1836
Dr. jur. Georg von Dessauer (geb. 21.9.1795 in Aschaffenburg gest. 8.1.1870 in Kochel) erfüllte seiner Frau den Wunsch und erwarb das Anwesen samt Pferde- und Kuhstall, Badehaus und kupferner Badewanne, Wasserleitung und Schiffhütte um 6 000 fl. Das Haus wurde von den Dessauers aufs prächtigste mit Biedermeiermöbeln eingerichtet und sie nannten das Schlößl „Buchbichl“ jetzt „Schlösschen Aspenstein“. Er ist königlich bayerischer Hofrat und Rechtsanwalt in München.
Am 21.9.1823 heiratet er Ludovica (Louise) von Linder (geb. 3.11.1805 in Schwenningen an der Donau gest. 3.9.1892 in Kochel)
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1840-1842
Hofrat Georg von Dessauer erbaute am Fuß des Aspensteins die zwei Ökonomiegebäude nach dem Vorbild des Seppenbauernhofes in Sachenbach, dem späteren „Annaheim“. Es waren zwei große Häuser im Gebirgsstil mit gewölbten Stallungen und vielen herrschaftlichen Zimmern. Ein Blumengärtner namens Ibach aus Holland legte einen großen Park zum See hin an.
Der Herr Hofrat kaufte für 7 300 fl den „Mairmichl“-Hof mit 52 Tagwerk Äcker und Wiesen, mit halbem Alm- und Forstrecht, ferner das „Schmied“-Anwesen, er kaufte den „Reiserhof“ mit 30 Tagwerk, mit Forstrecht und Fischerei, er erwarb Teile des „Laichmann“-Hofes, des „Höfner“-Anwesens, lauter Grundstücke, die den Schloßbichl ausmachten, so dass er am Schluss einen Gesamtbesitz von 183 Tagwerk besaß.
Im Hofe fand sich nach einigen Jahren die Natronquelle, die gefasst wurde und nach dem Namen der Kronprinzessin von Bayern „Marienquelle“ genannt wurde.
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14.4.1863
Dr. Heinrich von Dessauer (geb. 30.6.1830 in München gest. 28.8.1879 in Valparaiso in Chile) übernimmt durch Kauf vom Vater. Er ist derzeit praktischer Arzt in Schliersee.
Er heiratet am 3.10.1860 Antonia Hochfärber (geb. 17.5.1838 gest. 3.2.1923), Forstmeisterstochter.
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1861
Dr. Heinrich von Dessauer richtet in den vom Vater errichteten Ökonomie-Gebäuden einen Kurbetrieb unter dem Namen „Bad Kochel“ ein. Da sich aber in diesem Betrieb bald finanzielle Schwierigkeiten einstellten, übergab er 1869 die Verwaltung des Bades seiner Mutter und wanderte nach Chile aus. Die Mutter, Louise von Dessauer, führte den Betrieb mit Hilfe von Pächtern bis in die Mitte der 1880er Jahre fort. In der Zwischenzeit wurde das Anwesen zum Teil zertrümmert. Das Kurhotel mit einem Teil des Grundbesitzes kaufte ca. 1888 der Kunstmaler Clemens aus München. Später ging es noch durch mehrere Hände. Die Heilquelle wurde vernachlässigt und unbenützt liegen gelassen.
Das südlich gelegene Haus brannte 1897 ab. Es wurde als Hotel wieder aufgebaut. Der letzte Inhaber des Kurhotels war Karl Brackenhofer, der es unmittelbar nach Schluss des ersten Weltkrieges erworben hatte. Während des Baues des Walchenseekraftwerkes wurde das nördliche Haus mit Arbeiterfamilien belegt und zu diesem Zweck Kleinwohnungen eingebaut, wobei leider die schönen Fresken von Kunstmaler August Löffler (verh. mit Hildegard v. Dessauer, s. oben) vernichtet wurden. Nach Fertigstellung des Walchenseekraftwerkes sollte Brackenhofer mit den ihm von der staatlichen Bauleitung zur Verfügung gestellten Mitteln das ganze Kurhotel wieder instandsetzen. Doch Brackenhofer baute mit dem Geld das Strandcàfe. Dieser Bau zehrte seine Geldmittel auf, so dass er sich schließlich entschloss, das Kurhotel 1926 und das Strandcafè 1928 zu verkaufen. Er erwarb dafür von Wismayer das Hotel Post und das Hotel Jäger am See in Urfeld.
Das Kurhotel mit dem zugehörigen Grundbesitz erwarb im März 1926 die Vereinigung der Sankt Anna Schwestern in München. Sie richtete dort nach größeren Umbauten ein Landerziehungsheim für schwer erziehbare (psychopathische) Mädchen ein unter der Oberin Anna Adelmann. Im Januar 1927 wurde dort ein Kindergarten für die Kinder der Gemeinde Kochel errichtet.
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8.2.1884
August Kaiser, der Schwager von Dr. Heinrich von Dessauer übernimmt wegen dessen finanzieller Schwierigkeiten das „Schlößl“ durch Kauf. Er ist Fabrik- und Minenbesitzer in Chile.
Er war verheiratet mit Elisabeth von Dessauer.
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15.7.1912
August von Dessauer (geb. 6.6.1866 in Kochel) übernimmt von der Tante Elisabeth Kaiser, geb. von Dessauer und ihrem Ehemann August Kaiser in Chile. Er war Apotheker in Valparaiso in Chile, der schon während des 1. Weltkrieges (1914-1918) in Deutschland lebte und 1920 ganz nach Kochel übersiedelte. Er war hier im Schlößl auch geboren.
Verheiratet war er seit 1899 mit Elsa Kuhlmann (geb. 18.9.1878 in Bremen).
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12.3.1936
Baldur von Schirach (geb. 9.5.1907 in Berlin U 8.8.1974 in Kröv) "Reichsjugendführer“ übernimmt durch Kauf von August von Dessauer. Er kauft zusätzlich am 18.9.1939 das Blockhaus Urfeld Nr. 3 vom Staatsärar (Forstverwaltung) um 16 000 Reichsmark, Kaufvertrag Notar Dr. Preußner vom 18.8.1939. Grundstücksgröße 4 312 m2.
Er trat bereits als Schüler nach persönlichem Bekanntwerden mit Adolf Hitler der NSDAP bei, führte 1928 bis 1932 den Nationalsozialistischen Studentenbund. Als Reichsjugendführer der NSDAP (1931-1940) und Reichsjugendführer des Deutschen Reiches ab 1933 unterstanden ihm alle Nationalsozialistischen Jugendorganisationen, auch die „Hitlerjugend“. Mitglied des Reichstages 1932 bis 1945. Als ehemaliger Gauleiter und Reichsstatthalter von Wien 1940 bis 1945 wurde er im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozeß 1946 wegen Beteiligung an Judendeportationen zu 20 Jahren Haft verurteilt, die er im alliierten Kriegsverbrecher-Gefängnis in der Zitadelle von Berlin-Spandau verbüßte.
Er heiratet am 31.3.1932 Henriette Hoffmann (geb. 2.2.1913 in München).
Trauzeugen: Adolf Hitler und Ernst Röhm. Heinrich Hoffmann ist Leibfotograf Adolf Hitlers und Pionier der nationalsozialistischen Bildberichterstattung.
Henriette von Schirach bewohnte mit ihren Kindern bis zum Einmarsch der Amerikaner 1945 das am 12.3.1936 gekaufte Schlößl auf dem Aspenstein, Kochel Nr. 66, das „große Haus“ und zusätzlich ab 1939 das am 8.8.1939 gekaufte Haus in Urfeld, das „kleine Haus“, das sie gegen Ende des Krieges dem befreundeten Ehepaar Dr. Colin Ross und Frau bis zu deren Selbstmord am 29.4.1945 überließ. Nach dem Rauswurf aus dem Schlößl auf dem Aspenstein durch die Amerikaner, wo sie zunächst noch ein Nebenhaus bewohnten, die das beschlagnahmte Haus selbst nutzten, wohnte sie in Urfeld, bis sie am 24.12. 1945 von der amerikanischen Besatzungsmacht auch dort ausgewiesen wurden, sie selbst inhaftiert wurde und die Kinder mit einem Armeelastwagen nach Jachenau gebracht wurden, das sie nicht verlassen durften.
Vom 24. 12. 1945 bis Dezember 1946 wurden den von Schirachs 2 Zimmer als Wohnung zugewiesen, in Jachenau Nr. 7 ¼ b, der südlichen Hälfte des auf dem Grund des Jachenauer Postwirtes, Jachenau Nr. 7, 1924 errichteten Doppelhauses, der ehemaligen Forstdiensstelle Jachenau II.
Von Dezember 1946 an bis 1948 wohnten sie im Gasthof Jachenau. Dann überließ der Bayerische Staat ihnen ihr beschlagnahmtes und enteignetes Urfelder Haus gegen eine geringe Miete. Die größeren Kinder wohnten inzwischen bei Fremden in Kochel, um den Besuch einer höheren Schule zu ermöglichen. Sie zog mit dem jüngsten Sohn, damals 6 Jahre alt, und ihrem neuen Lebensgefährten nach Urfeld.
Henriette von Schirach ließ sich 1949 scheiden und verließ mit einem neuen Mann ihre vier Kinder, die in Internaten untergebracht wurden.
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1949
Das Land Bayern, vertreten durch das Bayerische Staatsministerium der Finanzen, Finanzamt Bad Tölz, übernimmt am 23.9. und 21.11. 1949 auf dem Wege der Enteignung, nachdem das „Schlößl“ am Ende des verlorenen 2. Weltkriegs (1939-1945) die amerikanische Besatzungsmacht sofort nach ihrem Einmarsch das „Schlößl“ beschlagnahmte, die Eigentümer-Familie von Schirach, nämlich die Ehefrau und die Kinder, vertrieb und das „Schlößl“ zunächst für sich nutzte.
23.9.1949 und 21.11.1949: Übertragungsurkunde gemäß Artikel 5 Alliierten Kontrollrats-Direktive Nr. 50. (Enteignung der Kriegsverbrecher)
Der Alliierte Kontrollrat wurde auf Grund der Viermächteerklärung vom 5. Juni 1945, der Feststellung über das „Kontrollverfahren in Deutschland“, am 8. August 1945 als oberstes Regierungsorgan der Besatzungsmächte Frankreich, Großbritannien, UdSSR und USA gebildet, das sich aus den 4 Oberbefehshabern in Deutschland zusammensetzte.
Als ehemaliger Gauleiter und Reichsstatthalter von Wien 1940 bis 1945 wurde Baldur von Schirach im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozeß 1946 wegen Beteiligung an Judendeportationen zu 20 Jahren Haft verurteilt, die er im alliierten Kriegsverbrecher-Gefängnis in der Zitadelle von Berlin-Spandau verbüßte.
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1950
Die SPD (Sozialdemokratsche Partei Deutschlands) übernimmt das „Schlößl auf dem Aspenstein“ durch Kauf um 60 000 Mark vom bayerischen Staat.
Sie richtet darin eine politische Schule für Erwachsenenbildung, die „Georg-von Vollmar-Akademie“ ein.
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Die Gebäude der St.-Anna-Schwestern wurden zum Schluss des 2. Weltkrieges am 13.03.1945 vom Gauleiter für ein Ausweichkrankenhaus der durch Bomben vernichteten Stadt München beschlagnahmt. Während dieser Zeit waren nur noch 2 Gruppen Kinder im Annaheim. Das Ausweichkrankenhaus wurde 1954 wieder aufgelöst.
Seither ist es ein „Heilpädagogisches Heim“ für verhaltensgestörte Kinder und Jugendliche mit Heimsonderschule.
Bereits 1948: Bau des Gartenhauses mit Lehrwerkstätte und Schwesternunterkunft.
Seit 15.10.1957 wurde unter der Oberin Edigna Mugler das Annaheim enorm vergrößert und modernisiert.
1957 Praktikantengebäude mit Lehrwerkstätte
1963/64 Bau des Schulgebäudes
1969 Neubau des Kindergartens
1969-72 wurde das nördl. Haus niedergerissen und an dessen Stelle ein modernes Gebäude für Gruppenwohnungen errichtet. Dort wurde auch ein Schwimmbad eingebaut. Auch das Küchengebäude mit dem Wirtschaftstrakt wurde neu erstellt.
Im Annaheim wurden 130 Kinder betreut.