Ort um 1900

Ort, Pfarrei und Gemeinde Kochel am See Nr. 51 „Schröferl“

Heute Orterer Str. 28

Die Gründung des Anwesens dürfte um oder schon vor der Jahrtausendwende gewesen sein, denn mit dem Schenkungsbrief des Kaiser Heinrich III anno 1048 kam „orta“ (Ort) unter die Oberherrschaft des Klosters Benediktbeuern. Damals also bestanden die größeren Höfe schon und dazu gehörte auch der Schröferl. Woher aber der Hausname kommt, ist ungewiß. Aber erst ab 1600 haben wir aus den Kirchenbüchern die Namen der Familienmitglieder. Bei einer Forschung in den Archivakten könnten jedoch auch die früheren Hofbesitzer ermittelt werden.

  • UM 1614

    Christoph März (gest. in Ort) ist Besitzer und heiratet Elisabeth (gest. in Ort).

  • Johann März (geb. um 1614 in Ort gest. 4.11.1691 in Ort) übernimmt vom Vater und heiratet Barbara Werkmeister (geb. in Laingruben gest. 1.1.1697 in Ort)von Laingruben, seit 1865 = Benediktbeuern, Nr. 62 „Krinner“, 1745: „Muerpöcker“.

  • 3.8.1688

    Sebastian März (geb. um 1662 in Ort gest. 15.3.1703 in Ort) übernimmt vom Vater und heiratet am 3.8.1688 Ursula Mürnseer (geb. in Bichl gest. 23.5.1690 in Ort im Kindbett).

    In zweiter Ehe heiratet er 5.7.1690 Anastasia März (geb. 8.11.1668 in Jachenau gest. 30.6.1735 in Ort) vom „Bichlermichl“ in Hinterbichl Nr. 23, Jachenau.

    Bei Sebastians Tod waren 338 Gulden Schulden vorhanden, der damalige Wert von etwa 35 Kühen.

  • 7.1.1704

    Caspar Pföderl (geb. in Glaswinkl bei Königsdorf gest. 7.12.1741 in Ort) übernimmt am 7.1.1704 durch Heirat der Witwe Anastasia März, geb. März.

  • 13.4.1712

    Sie sind verdorben. Das Anwesen ging auf dem Gantwege um 575 fl an Lorenz Ertl. Es blieben ihnen noch 64 fl. Sie erhielten Wohnung in der zum Haus gehörigen Badstube.

    Lorenz Ertl (geb. 10.8.1680 in Laingruben, seit 1865 = Benediktbeuern gest. 18.10.1741 in Ort) übernimmt durch Gant-Kauf. Er war seit 16.11.1706 mit Maria Jocher (geb. 15.4.1687 in Joch gest. in Ort) vom „Bauer in Joch“ in Joch Nr. 44 verheiratet. Sie hat 350 fl.

  • 9.1.1741

    Benedict Ertl (geb. 1.4.1712 in Ort gest. 23.6.1756 in Ort) übernimmt vom Vater und heiratet am 9.1.1741 Maria Arnoldt (geb. 7.1.1709 in Egling gest. 12.6.1790 in Ort) vom „Daller“, „Thaler“, ab 1904 „Lutz“ in Egling Nr. 1 am Riegsee, Pfarrei Aidling-Riegsee, ab 1802 Riegsee als Filiale von Murnau, ab 1816 Pfarrei Murnau.

  • 22.2.1773

    Johann Ertl (geb. 9.6.1743 in Ort gest. 13.6.1806 in Ort) übernimmt von der Mutter und heiratet am 22.2.1773 Rosina Luidl (geb. 6.3.1745 in Kochel gest. 18.9.1823 in Ort) vom „Pfeiffer“, ab 1850 „Kramer“, Kochel Nr. 22.

  • Leonhard Ertl (geb. 6.11.1774 in Ort gest. 28.1.1837 in Ort) übernimmt von der Mutter und bleibt ledig.

  • 28.1.1837

    Paul Seybold (geb. 6.4.1805 in Zwergern gest. 15.1.1883 in Ort) übernimmt durch Erbschaft von seinem kinderlosen Onkel Leonhard Ertl, Bruder seiner Mutter. Er stammt vom „Adambauer“ auf Zwergern Nr. 64.

    Er heiratet am 22.5.1837 Theres Witting (geb. 1813 in Zell gest. 1862 in Ort) vom „Demmel“, „Vallandt“ in Zell Nr.5, Pfarrei Schlehdorf, Gemeinde Großweil. Beim frühen Tod ihrer Mutter erhält sie und jede der 2 weiteren Töchter neben der Ausfertigung 500 fl Heiratsgut. Eine Kommission nimmt den persönlichen Besitz der Mutter auf, der für ihre drei kleinen Töchter bestimmt ist: In der Truhe: 9 Stück Leinwand, eine große Zahl Haar (=Flachs), 4 grobes Bettzeug, etwas schlechtes Gewand. In versperrten Kasten: 11 Stück Leinwand, 5 Röcke, 3 Mieder, 5 Korsett, 7 Wachsstöcke, zwei silberne 1/2-Maß-Krüg, 2 Flor mit großer und kleiner silbernen Schnalle, 1 Flor ohne Schnalle, 2 seidene Halstücher 1 Otterhaube.

  • Um 1878

    Die ledigen Geschwister Joseph Seybold(geb. 10.8.1840 gest. 30.10.1880), Theres Seybold ­(geb. 31.10.1842 gest. 4.5.1917), Maria Seybold (geb. 1.1.1844 gest. 12.7.1911), Katharina Seybold (geb. 30.4.1848 gest. 14.4.1906), Maria Anna Seybold( geb. 24.8.1849 gest. 9.6.1925)und Leonhard Seybold (geb. 6.11.1852 gest. 28.5.1896) führten das Anwesen von ca. 1878 bis 1907 gemeinsam weiter.

  • 1907

    Alois Seybold (geb. 30.5.1857 in Ort gest. 31.12.1918 in Ort) übernimmt durch Kauf von seinen ledigen Geschwistern.

    Er heiratet um 1890 Agathe Eibl (geb. 1867 in Kleinweil gest. 14.7.1893 in Kochel) von Kleinweil Nr. 10 „Beim Mang“.

    1890 erbte Agathe Eibl das Anwesen Kleinweil Nr. 10 „Beim Mang“ von ihren Eltern Peter Paul Eibl und Katharina. Alois und Agathe Seybold verkaufen das „Mang“-Anwesen in Kleinweil an Matthias Moosrainer, Postbote von Iffeldorf.

    1890: Sie erwerben das „Warmann“-Anwesen in Kochel Nr. 6 vom kinderlosen Joseph Schönder.

    1900: Alois Seybold verkauft das „Warmann“-Anwesen an den von Bichl zugezogenen Schneidermeister Johann Kiel aus Höchstädt an der Donau, der es bald darauf mit dem von München zugezogenen Martin Geissler teilt. Die Grundstücke wurden zertrümmert.

    Alois Seybold heiratet am 3.7.1905 in zweiter Ehe Anna Scherer (geb. 12.7.1870 in Reichersbeuern gest. in Ort).

  • Johann Seybold (geb. 23.10.1909 in Ort gest. gefallen als Soldat im 2. Weltkrieg) übernimmt von der Mutter (Anna Scherer) und heiratet Elisabeth Waldherr (geb. 1.3.1912 in Baumberg, Pfarrei Heilbrunn gest. 24.12.1953 in Kochel).

    Die Witwe Elisabeth Seybold, geb. Waldherr wirtschaftete bis zu ihrem frühen Tod 1953 mit 41 Jahren. Nach ihrem Tod 1953 wirtschaftete ihr Bruder Kilian Waldherr von Baumberg mit den Kindern, bis Sohn Paul Seybold 1964 übernehmen konnte.

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