Zwergerbauern um 1900

Walchensee Zwergern Nr. 65 "Schwaigerhof"

„Schwaige“, „Bey der Schwaig“,

1808: Hausnummer 15

2000: Seestraße 42

1727: Das Kloster Benediktbeuern erbaut in Walchensee eine Schwaige, die bei der Klosteraufhebung vom Staat übernommen wird.

Kataster 1808: Nach der Klosteraufhebung 1803. „die aus den benediktbeuerischen Kloster Realitäten erkaufte Schwaig“

gerichtsbar zum Landgericht Tölz, ludeigen (kein Grundobereigentum), zehentfrey, grundzinsbar zum Rentamt Tölz

  • 1728

    Jacob Sachenbacher (geb. 18.7.1668 in Jachenau gest. 24.2.1740 in Walchensee) übernimmt die neu erbaute Schwaige. Er stammt vom „Seppenbauer“ in Sachenbach Nr. 2, Jachenau.

    1704: Jacob Sachenbacher, lediger Jägerssohn vom „Seppenbauer“ in Sachenbach Nr. 2, Jachenau, ist im Jahr 1704 vom Kloster Benediktbeuern „auf sein Ansuchen verwilligt worden, auf dem Altlaflöck eine Behausung aufzubauen, und zwar in der Größe wie die andern Häuser. Er mag auch eine Kuh halten.“ Jährliche Gilt 1 fl, Stiftgeld 1 Xr und Briefgeld 1 Xr. Die Erlaubnis des Klosters zur Erbauung der 4 Anwesen in Altlach 1703 und 1704 erfolgte in Zusammenhang mit der Aufstellung eines Defensionskorps durch Abt Eliland II. im Jahre 1702 zur Abwehr der Übergriffe aus Tirol und schuf so am Walchensee-Südufer einen Vorposten mit wehrhaften Männern.

    3.1.1709: Grundbuch Kloster Benediktbeuern: Jacob Sachenbacher darf den Grund um sein Haus, der mit Holz und Poschen bewachsen ist, einfangen. Im ganzen Umfang 2 625 Schuh. Er muß dafür 70 fl bezahlen, darf 6 Stück Vieh halten, auch ein Schiff darf er haben, aber nicht überführen.. Er muß jährlich bezahlen: die alte Stift vom Haus 1 fl Stiftpfennig 2 Xr Leibgeldpfennig 2 Pfennig. vom neu bewilligten Einfang 3 fl und vom Viehtrieb 20 Xr. Summa 4 fl 22 Xr.

    3.1.1709:Jacob Sachenbacher quittiert seinem Schwager Anton Greinwald „Nigglklas“, Jachenau Nr. 37 Niggeln den Empfang von 50 fl zur Ausrodung des Holzes und den Empfang von 70 fl als Heiratgut seiner Frau Anastasia.

    1728: Jacob Sachenbacher tritt das Altlacher Haus gegen 400 fl an den Abt des Klosters Benediktbeuern ab, „dazu gehören 4 gute Kühe, 1 Kalbl und 1 Stier, das kupferne Schiff auf dem Herd und der Eimer am Brunnen. Ferner tritt er für 30 fl ab 2 Schiff, 3 kupferne und eiserne Pfann, 1 eisernen Hafen, 2 Bettstellen und Bett, Zimmerzeug, 1 Wagen, Häfen, Schüssel und Küchengeschirr.“ Er übernimmt die „Schweige“.

    Da er keine Kinder hat, vermacht er das Anwesen „Schweige“ einem der Kinder seines Schwagers Anton Greinwald.

    Er heiratet am 30.8.1705 Anastasia Schwaiger (geb. 8.12.1675 in Jachenau gest. 26.6.1733 in Walchensee) vom „Nigglklas“ in Niggeln Nr. 37, Jachenau. Keine Kinder.

  • Mathias Weckerle (gest. 4.7.1757 in Walchensee) übernimmt und heiratet Maria (gest. .6.1757 in Walchensee).

  • September 1757

    Adam Weckerle (geb. um 1722 in Walchensee gest. 25.10.1803 in Walchensee) übernimmt nach dem Tod der Eltern und heiratet am 4.10.1756 Margaretha Schröffl (geb. 29.10.1725 in Kochel gest. 8.3.1777 in Walchensee) von Kochel Nr. 3 „Nudler“.

  • Georg Zwerger (geb. 20.4.1756 in Lautersee gest. 10.7.1850 in Walchensee) übernimmt durch Kauf nach der Klosterauflösung 1803 die ludeigene „Schwaige“ aus den Kloster Realitäten, gerichtsbar zum Landgericht Tölz, zehentfrey, grundzinsbar zum Rentamt Tölz. Er hatte am 26.5.1777 vom Vater, Bauer und Fischer am Lautersee, Lautersee Nr. 3 „Lauterseetoni“ übernommen.

    Am 26.5.1777 heiratet er Anna Kriner von Krün.

  • 10.2.1806

    Franz Xaver Zwerger (geb. 3.12.1780 in Lautersee gest. 7.10.1853 in Benediktbeuern) übernimmt vom Vater die von diesem erkaufte „Schwaige“ und heiratet am 10.2.1806 Maria Anna Mürnseer (geb. 7.7.1782 in Ried gest. 23.11.1834 in Benediktbeuern) vom „Christoph“ in Ried bei Benediktbeuern (bis 1865 = Laingruben),

  • 1819

    Franz Xaver Zwerger und Ehefrau Maria Anna Zwerger, geb. Mürnseer kaufen das Haus Laingruben (=Benediktbeuern) Nr. 17 von Simon Ortherer, Bauer und Posthalter, vorher im Besitz von Maximilian Pergmann, Bauer und Posthalter, der überschuldet war und in das neugebaute Haus Laingruben Nr. 133 zieht. („Posthaus“, ab jetzt „Zwerger“) Franz Xaver Zwerger ist Münchener Bote.

    Restbesitz 1861: 6,855 Hektar = 20 Tagwerk 12 Dezimalen

  • 1819

    Peter Mooser (geb. 14.2.1783 in Reutte in Tirol, Landgericht Rattenberg gest. 30.4.1860 in Walchensee) übernimmt durch Kauf und heiratet am 1.10.1810 Elisabeth Holzer (geb. 11.1.1787 in Wallgau gest. 31.7.1860 in Walchensee), Bauerstochter vom „Hanser“ in Wallgau Nr. 1.

  • 7.3.1861

    Sohn Jakob Mooser (geb. 20.7.1814 in Wallgau gest. in Walchensee) „Schwaigerbauer“ übernimmt durch Kauf laut Brief vom 7.3.1861 um 6 688 fl, Wohnhaus mit Stadel und Stall und Hofraum sowie mit dem ehemaligen Mauthäusl Nr. 61 1/3. Er übernimmt den gesamten Besitz des Schwaigeranwesens Nr. 65 (einschließlich des ehemaligen Mauthäusls 0,068 Hektar = 20 Dezimalen) mit Garten, Wohnhaus mit Stall und Hofraum, Pflanzgarten, Krautgarten, Hausgarten, Badstubenfleck, Schiffhütte, Hausfeld, auf Ableben der Mutter Witwe Elisabeth Mooser durch Erbvergleich mit den Geschwistern mit Haus- und Baumannsfahrnis. Besitzstand: 20 Tagwerk 12 Dezimalen = 6,855 Hektar.

  • Peter Mooser (gest. Walchensee) übernimmt.

    27 Tagwerk 62 Dezimalen, einfache Rustikalsteuer jährlich 1 fl 54 Xr

  • 7.3.1863

    Peter Mooser verkauft an Michael Seybold „Adambauer“ Nr. 64 einen Ausbruch aus der Schwaig um 800 fl.

    Verkauf von 3 Tagwerk an Georg Sachenbacher in Sachenbacher Nr. 1 „Jörglbauer“ um 1 200 fl

    Verkauf von 5 Tagwerk an Johann Oswald von Sachenbach Nr. 2 „Seppenbauer“ um 2 000 fl.

    Rest: 1863 19 Tagwerk 62 Dezimalen, einfache Rustikalsteuer 1 fl 22 Xr.

  • 22.6.1868

    Kaspar Orterer (geb. 10.7.1809 in Jachenau gest. 7.8.1874 in Jachenau) übernimmt durch Kauf von Peter Mooser. Er ist Besitzer des „Lang“-Hofes in Jachenau Nr. 4 am Berg, den er am 8.2.1847 vom Vater übernommen hatte. Außer in der Landwirtschaft ist er auch als Güterhändler aktiv

    Er heiratet am 8.2.1847 Elisabeth Rauscher (geb. 31.10.1813 in Jachenau gest. 13.12.1889 in Jachenau) vom „Bäck“ in Friedln Nr. 16, Jachenau.

    1863: Besitz des „Lang“-Anwesens am Berg in Jachenau 62 Tagwerk 72 Dezimalen = 21,368 Hektar. „Schwaige“ 19 Tagwerk 62 Dezimalen

  • 6.7.1874

    Sohn Kaspar Orterer ­(geb. 22.3.1848) heiratet am 6.7.1874 und übernimmt.

  • 14.1.1867

    Johann Baptist Oswald (geb. .6.1831 in Sachenbach gest. 4.8.1875 in Sachenbach) übernimmt durch Kauf von Kaspar Orterer. Er ist Besitzer des „Seppenbauer“-Hofes in Sachenbach. Johann Oswald kauft den „Schwaigerhof“, der als Wohnung dient, damit die Kinder von dort die Klösterlschule, die von Sachenbach aus unerreichbar ist, besuchen können.

    Er heiratet am 14.1.1867 Johanna Pensberger (geb. 21.10.1843 in Kochel gest. 23.10.1916 in Sachenbach) von Pessenbach Nr. 55 „Knapp“, Pfarrei und Gemeinde Kochel.

  • 1886

    Nachdem die Kinder der Schule entwachsen waren, stand der „Schwaigerhof“ leer und die Witwe Johanna Oswald verkaufte an Professor Albert Schmidt aus München.

  • 1886

    Geheimrat Professor Albert Schmidt (geb. 16.9.1841 in Sonneberg gest. 19.4.1913 in München) bedeutender Münchener Architekt der Prinzregentenzeit, „Verfertiger künstlerischer Steine“, Baugeschäftsinhaber und Ziegeleibesitzer (München, Denninger Straße 140) in München, Marsstraße 1 mit großem Haus, Garten, Wagen und Pferden in München, Ehrenmitglied der Königlichen Akademie der bildenden Künste. Nach seinen Plänen wurde unter anderem 1884 bis 1887 die jüdische Hauptsynagoge an der Münchener Herzog-Max-Straße errichtet. Er übernimmt den „Schwaigerhof“ in Walchensee 1886 durch Kauf. Albert Schmidt stammt aus Sonneberg in Thüringen, seit 2.12..1867 in München, Marsstraße 3, seit 19.10.1870 Hildegardstraße 11, dann Marsstraße 14, dann Nr. 1.

    Er heiratet Adelheid Hutschenreuter (gest. 16.1.1872 in München).

    In zweiter Ehe heiratet er am 12.12.1873 Franziska Martha Wegmaier (geb. 22.6.1857 in München gest. 1909 in München).

  • 20.10.1888

    Notar Karl in Tölz: Kauf um 17 500 Mark von Johann Oswalds Witwe Johanna Oswald, „Seppenbäuerin“ in Sachenbach Nr. 2: der Rest der „Schwaigerbauer“-Anwesens, Wohnhaus, Stall, Stadel, Eiskeller, Wagen- und Holzremise, Sommerhaus, Hofraum, Garten, Heustadel, Eggart.

  • 10.12.1989

    Weiterer Grund-Kauf von Johanna Oswald, verwitwete „Seppenbäuerin“ um 62 425 Mark. Das Haus wurde zu Wohn- und Schlafzwecken für die große Familie umgebaut. Im Erdgeschoß musste der Kuhstall, im ersten Stock die Tenne entsprechend umgestaltet werden und unter schwierigsten Verhältnissen musste gemauert, geschreinert, getischlert, gespenglert und installiert werden, damit im Sommer 1887 die 19 Köpfe zählende Familie, 2 Eltern, 12 Kinder, 5 dienstbare Geister, außerdem 4 Pferde und 2 Hunde, einziehen konnte.

    Bau einer Bade- und Schiffhütte auf einem später erworbenen schmalen, langgestreckten Ufergrundstück am See, die Schiffhütte auf 80 m2 im Eigentum des Staatsärars, auf Grund eines Pachtverhältnisses, 1939 abgebrochen.

  • 13.5.1893

    Notar Karl in Tölz: Professor Albert Schmidt kauft von Andreas Märkl das Wegmachergütl, Walchensee nr. 68 mit Holzschupfe und Schiffhütte um 2 500 Mark.

  • 23.5.1896

    Kauf von Wald- und Wiesengrundstücken auf Zwergern um 2 550 Mark von Georg Hornsteiner, Adambauer, und Paul und Elisabeth Grünwald, Bartlbauers-Eheleute.

  • 21.9.1897

    Kauf des 75 Tagwerk großen Klösterlwaldes („Katzenkopfwaldung“) aus dem Besitz des Jachenauer Wirts und Posthalters Joseph Pfund um 32 125 Mark.

    Besitzstand: 85 Tagwerk 38 Dezimalen = 29,094 Hektar.

  • UM 1905

    Die Erschließung des umliegenden Grundes begann durch die „Höhenkur- und Eigenbaugesellschaft“ mit der teilweisen Bebauung mit Villen.

  • 1906

    Abbruch des Heustadels

  • 1910

    Neubau des Oekonomiegebäudes

  • 23.1.1952

    Abtretung von 4,210 Hektar Grund an die Bundesrepublik Deutschland zum Ausbau der Bundesstraße 11.

    1952: Besitz jetzt 24,857 Hektar.

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