Kochel am See Nr. 27 „Seegenfischer“
Heute Kirchenweg 1
Der Segenfischerhof gehörte zu den ältesten Höfen in Kochel. Im Salbuch des Klosters Benediktbeuern
ist er bereits schon als „Segenlehen“ anno 1270 erwähnt. Seine Gründung dürfte jedoch weit weit früher gewesen sein. Erst ab 1621 haben wir laufende Einträge über Besitzer und deren Familien.
Seegen, althochdeutsch sagina, mittelhochdeutsch sageine, sagene. segene, lateinisch sagena = das große Zugnetz, mit dem ein berufsmäßiger Fischer unbedingt ausgerüstet sein musste.
-
UM 1621
Kaspar Zwerger ist Segenfischer um 1621.
-
Georg Zwerger, Segenfischer, verheiratet mit Jakobe von Walchensee. Er heiratet noch ein zweites Mal.
-
18.1.1661
Der Sohn aus zweiter Ehe, Benedict Zwerger (gest. 22.10.1666 in Kochel), Bauer und „Seegenfischer“, Kochel Nr. 27, übernimmt und heiratet am 18.1.1661 Christina Resenberger (geb. in Kochel gest. 1.2.1710 in Kochel).
-
6.2.1668
Sebastian Zwerger (geb. in Kochel gest. 25.3.1721 in Kochel), Bauer und „Seegenfischer“, Kochel Nr. 27, vom „Leisch“, Kochel Nr. 37, übernimmt am 6.2.1668 durch Heirat der Witwe Christina Zwerger, geb. Resenberger.
Er erhält 40 fl und hat 60 fl Selbsterspartes. (Gerichtsbrief 29.11.1667).
-
19.5.1704
Michael Zwerger (geb. 26.2.1676 in Kochel gest. vor 3.1713 in Kochel), Bauer und „Seegenfischer“, Kochel Nr. 27, übernimmt vom Vater „auf Halb“. gegen 350 fl, Anfall 30 fl. Die Einnahmen aus der See-Überfahrt gehören dem Übernehmer allein. Michael war Gemeiner bei der XIII Korporalschaft der Landesdefension.
Er heiratet am 19.5.1704 Anastasia Wörner (geb. 16.5.1686 in Jachenau gest. 23.5.1758 in Kochel) von Jachenau Nr. 7 "Wirt". Sie bringt 650 fl und 1 Kuh mit.
-
23.3.1713
Dominicus Zwerger (geb. 4.3.1671 in Walchensee gest. 28.10.1720 in Kochel), Bauer und „Seegenfischer“, Kochel Nr. 27, vom „Waltlbauer“ in Walchensee übernimmt am 23.3.1713 durch Heirat der Witwe Anastasia Zwerger, geb. Wörner.
Dominicus Zwerger hat 1698 von Brigitt Neuner von Mittenwald einen unehelichen Sohn: Bartholomäus, der 1713 in Ramsau das Müllerhandwerk erlernt. 1730 treibt er sich mit Weib und Kind als Kurzwarenhändler (Rosenkränze, Schuhschnallen) im Werdenfelsichen herum (Heimat der Mutter), wird ins Benediktbeuerische (Heimat des Vaters) abgeschoben. Dominicus Zwerger bekommt 300 fl bar (Gerichtsbrief vom 23.3.1713).
-
14.1.1721
Die Witwe Anastasia Zwerger, verwitwete Zwerger, geb. Wörner kann nur sehr schwer oder gar nicht „einen Heirat machen“ (=eine 3. Heirat eingehen), kann die Fischerei nicht ausüben, es ist kein Fischzeug und kein „Seegen“ (=langes Netz) da. Daher gibt sie die Fischereigerechtigkeit mit der Söld, dem Seegenkasten und alles andere ihrem Schwager Simon Zwerger (Bruder ihres 1. Ehemanns Michael Zwerger) von Kochel Nr. 26 „Hannasima“, der Neugründung von 1697, gegen dessen Häusl und 300 fl, zieht auch einen Teil des Gartens, 1 Acker im Bergfeld und Oberried mit. Sie hat 226 fl Schulden. (Gerichtsbrief Benediktbeuern vom 14.1.1721).
-
14.1.1721
Simon Zwerger (geb. 19.10.1668 in Kochel gest. 1.10.1738 in Kochel), Leerhäulser von Kochel Nr. 26 „Hannasima“ wird Bauer und „Seegenfischer“, Kochel Nr. 27, durch Tausch mit seiner Schwägerin Witwe Anastasia Zwerger, verwitwete Zwerger, geb. Wörner.
Simon Zwerger „musste“ heiraten, Strafe 12 fl. Er kauft 1700 für 40 fl des Wirts Badstube und baut sie zu einem Häusl um, jährliche Stift 1 fl, Anfall 7 fl.
Am 18.2.1697 heiratet er Elisabeth Bärtl (geb. 26.4.1676 in Kochel gest. 15.11.1733 in Kochel) vom „Reiser“ Kochel Nr. 30.
-
26.1.1734
Andreas Zwerger (geb. 20.11.1699 in Kochel gest. 10.2.1766 in Kochel) Bauer und „Seegenfischer“, Kochel Nr. 27, übernimmt vom Vater und heiratet am 26.1.1734 Anastasia Schöner (geb. 5.5.1703 in Kochel gest. 2.4.1740 in Kochel) vom „Warmann“, Kochel Nr. 6.
In zweiter Ehe heiratet er am 30.5.1740 Margaretha Zwerger (geb. 1.12.1706 in Walchensee gest. 8.10.1760 in Kochel) vom „Hanslbauer“, Walchensee Nr. 62. Sie bringt 360 fl und 1 Kuh mit. „Sie war eine sehr tüchtige Mutter."
-
16.10.1769
Franz Zwerger (geb. 9.7.1742 in Kochel gest. 28.3.1804 in Kochel), Bauer und „Seegenfischer“, Kochel Nr. 27, übernimmt vom Vater und heiratet am 16.10.1769 Anna Thanner (geb. 2.10.1740 in Jachenau gest. 10.3.1810 in Kochel) vom „Vordertanner“ auf der Tann, Jachenau Nr. 32. Sie bekommt 360 fl und 1 Kuh.
-
23.8.1802
Coelestin Zwerger (geb. 17.11.1770 in Kochel gest. 3.5.1841 in Kochel) Bauer und „Seegenfischer“, Kochel Nr. 27, übernimmt am 23.8.1802 vom Vater gegen 560 fl, den Wert von etwa 14 Kühen.
Er heiratet am 8.11.1802 Maria Anna Laichmann (geb. 21.3.1783 in Schlehdorf gest. in Kochel). Sie bekommt 400 fl.
16.7.1808 Kataster: Der 1/8 „Segenfischer“-Hof Coelestin Zwerger: ein halbgemauertes Wohnhaus Nr. 27 mit ebensolcher Stallung und hölzernem Stadel unter einem Dach, am 23.8.1802 samt Fischwasser und ganzer Einrichtung vom Vater übernommen um 560 fl, Krautgarten, Pflanzgärtl, Felder und Wiesen, Gemeindeanteil an unverteilten Gemeindegründen, Fischfang im Kochelsee zum Gut gehörig.
Gerichtsbar zum Königlichen Landgericht Tölz, Scharwerkgeld 1 fl 15 Xr, Stift 1 fl 27 Xr, Forstzins 1 fl 39 Xr, Freistift 13 fl 20 Xr, Simplum (=einfache Steuer) 1 fl 30 Xr, Fourage-Anlag (=Verpflichtung, die Militärpferde aus der Umgebung auf dem Hof zu versorgen) 52 Xr 2 Pfennig, Vorspann-Anlag 9 Xr 1 ½ Pfennig. Unterschrift X Handzeichen des Coelestin Zwerger, Zeugen: Ulrich Gattinger und Johannes Öttl.
-
1832
Coelestin und Maria Anna Zwerger übergaben das „Seegenfischer“-Anwesen ihrer Tochter Monica und erwarben für sich das Anwesen Kochel Nr. 17 „Oswald“, das sie ihrer Tochter Maria Anna übergaben.
-
27.2.1832
Joseph Schretter (geb. 10.8.1800 in Schlehdorf gest. 10.12.1860 in Kochel), Fischer vom „Höchtl“ in Schlehdorf Nr. 4 wird am 27.2.1832 Bauer und „Seegenfischer“, Kochel Nr. 27 durch Heirat der Hoferbin Monica Zwerger (geb. 5.4.1809 in Kochel gest. 8.5.1837 in Kochel).
In zweiter Ehe heiratet er am 10.7.1837 Agatha Bartl (geb. 13.5.1809 in Antdorf gest. 3.4.1853 in Kochel) vom „Gröberhof“ in Antdorf.
In dritter Ehe heiratet er am 30.5.1854 Maria Gaisreiter (geb. 10.6.1820 in Voglherd, Pfarrei Benediktbeuern U 14.1.1870 in Kochel), Häuslerstochter. Die Ehe ist kinderlos.
-
11.2.1861
Franz Xaver Wittig (geb. 30.5.1823 in Ohlstadt gest. 12.3.1903 in Kochel), langjähriger Dienstknecht im Hause, übernimmt am 11.2.1861 durch Heirat der Witwe Maria Schretter, geb. Gaisreiter.
In zweiter Ehe heiratet er 21.2.1871 Maria Anna Schretter (geb. 28.7.1843 in Kochel gest. U 28.11.1903 in Kochel), die Stieftochter der ersten Frau.
-
18.11.1918
Der Sohn aus zweiter Ehe, Josef Wittig (geb. 1.2.1887 in Kochel U 19.8.1949 in Kochel), Fischer, übernimmt nach Erbauseinandersetzung nach dem Tod des Bruders Xaver Wittig.
Er heiratet am 18.11.1918 Anna Walburger (geb. 17.1.1892 in Jettingen gest. in Kochel), Köchin von Jettingen in Schwaben.