Stutz

Kochel am See Nr. 29 „Stutz“

Heute Kirchenweg 3

Der Stutz ist einer der ersten Siedlungen von Kochel. Die Gründung der Hofstelle geht bis in das erste Jahrtausend zurück. Wahrscheinlich war er in den ersten Jahrhunderten der „Linderl“, der Bauer an der Linden, von dem das alte Kocheler Geschlecht, die Linderl abstammen, die wir noch im vorigen Jahrhundert in den Archivakten finden.

Im Salbuch des Klosters Benediktbeuern anno 1270 ist der Hof zum ersten Mal erwähnt und zwar unter den 6 Fischerlehen.

Dann liegen mehrere hundert Jahre in Dunkelheit über die Besitzer des Hofes. Nur der Hof selbst ist aufgezeichnet und der Frondienst und die Zehntabgabe gewissenhaft festgehalten. In dieser Zeit gab es auch nur selten Schreibnamen. Nur der Vorname ist erwähnt.

Erst ab Mitte des 17. Jahrhunderts, also nach dem Dreißigjährigen Krieg finden wir laufende Eintragungen.

  • Hans Kirchmayr (geb. vor 1640 in Kochel gest. in Kochel), Fischer von Kochel, übernimmt. Er heiratet vor 1660 Maria (gest. in Kochel).

  • 26.10.1676

    Mathias Krinner (geb. in Ort U 1697 in Kochel), Fischer von Kochel und Fischkäufler, übernimmt am 26.10.1676 durch Heirat der Hoferbin Justina Kirchmayr (geb. vor 1660 in Kochel gest. 5.2.1730 in Kochel). Er stammt von Ort Nr. 49 „Karlbauer“.

  • 16.9.1697

    Andreas Bärtl (geb. 19.10.1667 in Kochel gest. 22.1.1733 in Kochel), Fischer, übernimmt am 16.9.1697 durch Heirat der Witwe Justina Krinner, geb. Kirchmayr (geb. vor 1660 in Kochel U 5.2.1730 in Kochel). Er war Kirchenpfleger und Gemeiner bei der 13. Korporalschaft der Landesdefension.

  • 5.6.1730

    Franz Hütter (geb. in Zell gest. 12.9.1743 in Kochel ertrunken), Fischer, übernimmt am 5.6.1730 durch Heirat der Hoferbin Elisabeth Bärtl (geb. 22.9.1700 in Kochel gest. 13.5.1731 in Kochel). Er stammt von Zell Nr. 2 „Zum Ill“, Hofmark Zell, Gemeinde Großweil, Pfarrei Schlehdorf. Seine Eltern und noch 4 Geschwister sterben alle innerhalb von 2 Monaten an derselben Krankheit. Der damalige Arzt meinte, dass Vater Martin Hütter, der oft als Getreide- und Pferdehändler unterwegs war, diese sehr ansteckende Krankheit, vielleicht Typhus, mitgebracht hatte.

    Die erste Ehe blieb kinderlos.

    In zweiter Ehe heiratet er am 25.6.1731 Anastasia Dölle (geb. 22.12.1697 in Kochel gest. 4.4.1751 in Kochel) vom „Döller Lenz“, Kochel Nr. 35.

  • 3.2.1744

    Joseph Eberl (geb. 4.4.1715 in Kochel gest. 6.6.1772 in Kochel), Fischer, übernimmt am 3.2.1744 durch Heirat der Witwe Anastasia Hütter geb. Dölle. Er stammt vom „Leisch“ in Kochel Nr. 37.

    Keine Kinder aus der ersten Ehe.

    In zweiter Ehe heiratet er am 21.6.1751 Maria Anastasia Guglhör (geb. 31.7.1726 in Kochel gest. 2.11.1794 in Kochel) vom „Wirt“, Kochel Nr. 25.

  • 19.8.1793

    Johann Baptist Eberl (geb. 9.6.1752 in Kochel gest. 9.5.1812 in Kochel), Fischer, übernimmt von der Mutter und heiratet am 19.8.1793 Catharina Riesch (geb. um 1766 in Buchberg U 20.5.1803 in Kochel). Die Ehe blieb kinderlos.

    In zweiter Ehe heiratet er am 26.8.1803 Anastasia Rohregger (geb. um 1763 in Gschwend, Benediktbeuern gest. 6.1.1836 in Kochel). Auchdiese Ehe blieb kinderlos.

  • 1818

    Melchior Eberl (geb. 23.7.1769 in Kochel gest. 16.9.1846 in Kochel) erbt 1818 (Im Kreisarchiv München AR 1046/101 ist für das Jahr 1818 Melchior Eberl als Besitzer des Stutzen- und des Laischengutes eingetragen) von seinem kinderlosen Vetter Johann Baptist Eberl das „Stutz“-Anwesen. Er hatte am 13.7.1801 das „Leisch“-Anwesen von seinem Vater übernommen.

    Er heiratet am 13.7.1801 Anastasia Sonner (geb. 1.9.1779 in Bichl gest. 19.2.1840 in Kochel) von Bichl „Beim Ditten“.

  • 2.3.1840

    Melchior Eberl (geb. 23.12.1807 in Kochel gest. 19.7.1868 in Kochel) übernimmt vom Vater. Er stammt gebürtig vom „Leisch“ in Kochel Nr. 37. Melchior Eberl war ein sehr geschickter Tierarzt. Er war auch Bote nach Tölz und holte dort mit dem Pferdefuhrwerk die Waren, die in Kochel gebraucht wurden.

    Am 2.3.1840 heiratet er Agathe Resenberger (geb. 19.9.1806 in Ort gest. 18.4.1865 in Kochel) von Ort Nr. 45 „Jodl“.

  • UM 1848

    Das Stutzenhaus brannte ab, wobei viele wertvolle Bücher und Niederschriften mitverbrannten. In der Stube des alten Hauses, das in der Nähe vom Reiserbauern Kochel 30 stand, wurde in der damaligen Zeit Schulunterricht gegeben. Ein Lehrer Bichlmayr hielt Unterricht. Verständlicherweise hatte er dort alles an alten Niederschriften gesammelt. Verbrannt sind dabei auch die alten Aufzeichnungen von ca. 1740 von der Sendlinger Bauernschlacht (1705).

    Das neue Haus wurde dann näher an die Kramerleite gebaut, wo es jetzt noch steht.

  • 24.2.1868

    Korbinian Schärfl (geb. 19.11.1829 in Uffing gest. 30.6.1896 in Kochel an den Folgen eines Selbstmordversuchs), Lohnkutscher von Uffing, übernimmt am 24.2.1868 durch Heirat der Hoferbin Maria Agatha Eberl (geb. .12.1844 in Kochel gest. 7.12.1883 in Kochel).

  • 28.06.1871

    Der Ingenieur Kilian Basl und Privatier Martin Maier von München kaufen das Anwesen und zertrümmerten es.

  • 25.8.1871

    Quirin Zach (geb. 9.3.1830 in Kochel gest. 11.8.1908 in Kochel) übernimmt das Hintergut durch Kauf um 6 900 fl. Er stammt von Kochel Nr. 38 „Bauer“, „Wolf“ und hat dieses am 6.2.1865 vom Vater übernommen. Quirin Zach verkauft den „Wolf“ am 8.8.1872 um 3 000 fl an Joseph Panholzer.

    Er heiratet am 6.2.1865 Katharina Schmid (geb. 29.4.1838 in Mühlegg bei Sindelsdorf gest. 2.3.1916 in Kochel).

  • Johann Georg Zach (geb. 17.2.1871 in Kochel gest. in Kochel) übernimmt vom Vater. Er bleibt ledig.

  • Robert Jakob Schmid (geb. 23.11.1903 in Kochel gest. 11.1.1969 in Kochel) übernimmt von seinem ledigen und kinderlosen Onkel Johann Georg Zach (Bruder der Mutter Agathe Schmid geb. Zach (geb. geb. 22.05.1866 gest.20.05.1905)).

    Robert Jakob Schmid war von Kindheit an auf dem Hof.

    Er heiratet Erna Baumann (geb. 4.6.1916 in Eussenheim in Unterfranken gest. in Kochel). Die Ehe blieb kinderlos.

  • 11.1.1969

    Die Witwe Erna Schmid (geb. 04.06.1916 gest. 06.04.2013) wurde nach dem Tod ihres Ehemannes Jakob Schmid Besitzerin des Stutzenhofes. Die Landwirtschaft wurde verpachtet. Die Waldwirtschaft und Fischerei betrieb sie weiter.

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